Sulky und Jockey

Pony, Sulky und Fahrer
Pony, Sulky und Fahrer, kein Jockey weit und breit ― Foto von Kalle H. via Pixabay

Woher kommt der Begriff Sulky? Ich bin ja oft nicht überzeugt von etymologischen Herleitungen: Wenn heutige englische Wörter mit proto-indo-iranischen Begriffen in Verbindung gebracht werden, die mit einem Sternchen davor markiert werden. Das Sternchen bedeutet dabei soviel wie »vermuten wir«. Mehr als vermuten kann man auch nicht, denn schriftliche Aufzeichnungen gibt es von dieser Sprachstufe nicht.

Beim Begriff »Sulky« in der Bedeutung »zweirädriges Pferdefuhrwerk, von einem Pferd gezogen und eine Person transportierend« gibt es keine solche Sternchen-Herleitung aus dem Hettitischen. Das ist gut! Aber die Herleitung der Etymologen ist … interessant.

Die Kutschenbezeichnung Sulky ist in England entstanden, das scheint sicher, Mitte des 18. Jahrhunderts (Quelle). Und sie soll sich vom Adjektiv »sulky« ableiten, das »mürrisch, übellaunig, schmollend« bedeutet und nur wenig älter sein soll als der Name für das Gefährt. Grund dafür sei die Tatsache, dass das Sulky ein Selbstfahrer ist, und der Fahrer, weil allein, während der Fahrt schlecht gelaunt sei. Mich überzeugt das nicht, die Erklärung wirkt wie Volksetymologie, aber eine bessere habe ich auch nicht.

Keine schlechte Laune kommt hingegen heute auf, wenn man sich die Namen verschiedener Sulkymodelle, die aktuell im Trabrennsport eingesetzt werden, anschaut:

  • Golden J
  • Gorilla
  • Shark Pro
  • Super Spyder
  • Shortcut
  • The Lightning
  • The Predator
  • The Propeller
  • Terminator
  • The Time Machine
  • The Gambler
  • Undertaker

(➸ Quelle USTA Approved Sulkies)

Übrigens kann auch der Duden, der in Deutschland gern als Sprach-Gesetz angesehen wird, Fehler enthalten. In der ➸ Definition des Wortes »Trabrennen« steht:

Pferderennen, bei dem die Pferde nur im Trab rennen dürfen und bei dem der Jockey im Sulky sitzt

Ein Jockey ist allerdings nur ein Rennreiter. Das weiß die Duden-Redaktion auch, denn die ➸ Definition des Wortes »Jockey« ist:

berufsmäßiger Rennreiter, berufsmäßige Rennreiterin

Die steuernde Person beim Trabrennen heißt nicht Jockey, sondern wenig überraschend Fahrer. Allerdings nicht Rennfahrer, denn das ist ➸ jemand, der Rennen im Motor- oder Radsport bestreitet.

Quellen:

  • Sulky.” Merriam-Webster.com Dictionary, Merriam-Webster. Accessed 20 Feb. 2020
  • duden.de

owner

Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen
Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen ― Foto von ThreeMilesPerHour via Pixabay

Jedes Rennpferd gehört jemandem, einer oder mehreren Personen, die sich unter einem Decknamen (Stall Soundso, Gestüt Larifari), als Besitzergemeinschaft, als Syndikat oder Club zusammengefunden haben. Charakteristisch ist dabei die Rennfarbe, die jeder Besitzer für sich registrieren lässt, und die ― wie oben zu sehen ― sehr bunt ausfallen kann.

Wichtig ist für uns im lexikalischen Zusammenhang, dass man im Galopprennsport immer nur von dem »Besitzer« spricht. Der Eigentümer wird nicht genannt. Oft sind Eigentümer und Besitzer identisch, manchmal aber nicht, z. B. wenn das Pferd gepachtet ist.

Ein Besitzertrainer ist nicht jemand, der Besitzer trainiert, sondern jemand, der seine eigenen Pferde trainiert, also Trainer und Besitzer gleichzeitig ist.

Ein Wort, das im Deutschen fehlt, ist owner-breeder. In meiner Zeit bei der Sport-Welt umschrieb man das, zum Beispiel in einer Stall-Parade, wortreich wie folgt: »Hans Meyer hat mit dem von ihm gezogenen Abraxas noch einen vielversprechenden Colinas-Sohn im Aufgebot für den Winterfavoriten«. (Die Eigennamen sind erfunden, der Satz aber hätte original so in der Zeitung stehen können.) Man konnte auch von »Hans Meyers selbstgezogenem Abraxas« sprechen, oder man schrieb »Abraxas, der von seinem Besitzer Hans Meyer auch gezogen wurde«. Sehr hakelige Formulierung, die mir damals schon nicht gefiel.

Nebenbei fällt auf, dass Galopper nicht »gezüchtet«, sondern »gezogen« werden.

Spaß mit Google Translate

Comtois - Foto von JuLessMrsS
Comtois – Foto von JuLessMrsS via Pixabay

Was du schon immer über die Farbe der Comtois-Pferde wissen wolltest, aber nie erfahren konntest, weil du kein Französisch sprichst:

Das Comtois-Pferd hat ursprünglich ein bauchiges Kleid mit schwarzen Haaren, das bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges fast die einzige Kleidungsfarbe der Rasse bildet. Das Kleid ist jetzt anders, gekennzeichnet durch eine klare gelb-silberne Mähne und Schweif, sowie klare Barten, die bis auf die Sehnenebene zurückgehen. Das Kleid dieser Pferde, (fälschlicherweise) „kastaniengewaschenes Haar“ (die Mehrheit der Comtois-Pferde ist ursprünglich Bais), ist auf die Einführung des Gens Silver durch einen einzigen Hengst namens Questeur zurückzuführen, der In den 1950er Jahren wurde er zum Zuchthengst. Da das Silber-Gen dominant ist, trägt nun eine große Mehrheit der Comtois-Pferde dieses Kleid, auch wenn die Bucht noch von der Standard-Rasse zugelassen ist. Das Kleid namens verbrannte Kastanie ist verboten.
Dieses Kleid ist in der Comtois so üblich geworden, dass andere Silberbeerepferde als „comtois chestnut“ beschrieben werden. Die Züchter mögen versucht haben, Weiterlesen

Glossar Pferderassen, englisch-deutsch

Rasse? Egal, Hauptsache glücklich
Rasse? Egal, Hauptsache glücklich — Foto via Pixabay

Auch in meinem Lieblings-Wörterbuch Pferdesport – Deutsch, Englisch, Französisch ist keine Liste der Pferderassen, -typen und -schläge und ihrer Übersetzung enthalten. Also habe ich angefangen, eine zu erstellen. Für Anmerkungen, Anregungen, Korrekturen oder Fragen nutzen Sie bitte das Kommentarfeld am Fuß des Beitrags. Als Quelle verwende ich den Observer Guide to Horses and Ponies und The New Encyclopedia of the Horse (s. unten) und versuche, mich an die gängigeren Rassen zu halten. Weiterlesen

Nebenschauplatz: Anglizismen

Wiese - Foto von Henryk Niestrój via Pixabay
Wiese ist auch ohne Pferde schön — Foto von Henryk Niestrój via Pixabay

Dies ist ein Beitrag ohne Pferdebezug. Einfach nur so, weil ich mich über schlampige Übersetzungen und Anglizismen ärgere, vor allem, wenn sie in Jugendbüchern auftauchen.

book worm ist auf deutsch kein Bücherwurm, sondern eine “Leseratte”.

rule of thumb heißt auf deutsch nicht Daumenregel, sondern “Faustregel”.

Noch viel mehr wunderschöne Übersetzungsfallen, in die man tappen kann, finden sich auf der gleichnamigen Website.

The sire’s lady

Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
Stute mit Fohlen – Foto von Bhakti Iyata via Pixabay

Der Deckhengst und Vater heißt also sire, aber wie heißt die Mutterstute?

Hier ein kurzer Überblick über die Begriffe im Galopprennsport:

sire konkret: Vater, allgemein: Deckhengst, Beschäler
dam konkret: Mutter, allgemein: Mutterstute, Zuchtstute
grand sire  Vater des Vaters
grand dam  zweite Mutter — niemals Großmutter
dam’s sire
damsire
 Vater der Mutter, Muttervater
broodmare sire  Vater von Müttern (ja, das klingt seltsam)
colt  Hengst, der kein Deckhengst ist, vierjährig oder jünger
gelding  Wallach
stallion  Hengst, im Rennsport konkret ein Deckhengst
entire  Hengst, der noch Rennen läuft, älter als vier Jahre, wird vor allem in der Schriftsprache verwendet, wird meist »h.« abgekürzt, vermutlich für »horse«
rig Klopphengst
filly  Stute vierjährig oder jünger
mare  Stute älter als vier Jahre
juvenile  die jüngste Generation Rennpferd: bei Flachrennen zweijährig, bei Hindernisrennen drei- oder vierjährig
maiden  siegloses Pferd

Referenz: ⇒ Hier eine Übersicht auf englisch

„Sport“ (Dorling Kindersley)

Bei den Olympischen Spielen schaue ich besonders gern Sportarten, von denen ich nichts verstehe. Die Kommentatoren der öffentlich-rechtlichen und der Privatsender sind sehr unterschiedlich und vermitteln vor allem unterschiedlich viel Fachwissen. Zur Zeit gefallen mir die Reporter von Eurosport sehr gut, die die Regeln und Eigenheiten obskurerer Sportarten kompetent vermitteln und herausragende Leistungen begeistert feiern, ohne dabei eine  schwarz-rot-goldene Brille zu tragen. Das macht Spaß!

Und dann habe ich einen stacheligen Wälzer neben mir auf dem Sofa liegen. Ein Buch, in Kunstrasen gebunden, das musste ich haben. Es trägt den schlichten Titel „Sport. Regeln, Technik, Taktik“. Während der Olympischen Spiele, bzw. der Fernsehübertragung davon, ist für mich die beste Gelegenheit, dieses Buch intensiv zu nutzen und dabei seine Nützlichkeit zu überprüfen. Beim Wasserspringen, Gewichtheben und Kunstturnen habe ich jetzt Übertragung und Buch parallel genutzt und komme zu folgendem Fazit:

Das Buch ist gut strukturiert, stellt die wichtigsten Regeln der Sportart leicht verständlich dar und ist – das ist sehr nützlich – mit jeder Menge Illustrationen und Schemazeichnungen bestückt. Bei den drei oben genannten Sportarten hat mir das Buch ganz klar geholfen, den Wettkampf besser zu verfolgen.

Sport. Regeln, Technik, Taktik
Sport. Regeln, Technik, Taktik

Gewichtheben hat eine Seite mit 10 Bildern, kompliziertere Sportarten wie Cricket bekommen auch mal 6 Seiten und 32 Zeichnungen. Bislang deckten sich die Angaben im Buch mit denen der Fernseh-Kommentatoren. Die Richtigkeit der Angaben und der Übersetzung kann ich aber nur beim Pferdesport wirklich überprüfen. Pferderennen (Galopp) und Polo haben je 4 Seiten; Springreiten zwei Seiten; Trabrennen, Rodeo, Dressur und Vielseitigkeit (leider noch als Military bezeichnet) haben je eine Seite, und Horseball und „Kutschenrennen“ (abgebildet ist ein Einspänner-Marathonwagen, würde ich sagen) haben je eine halbe Seite.

Das Kapitel zum Galopprennsport ist fachlich korrekt. Zum Teil ist es England-lastig („Im Sommer finden nur Flachrennen (Galopprennen) statt, im Winter auch Hindernis- und Geländerennen“ – das ist in Deutschland anders, und Geländerennen gibt es nicht, gemeint sind wohl Jagdrennen). Auch die Übersetzer dieses Standardwerks tappen leider in die Falle mit den „jumps races“ („Springrennen“), übersetzen „pace maker“ als „Schrittmacher“ und schreiben von „den Schritt machen“. Schade. Und sie sind für den tollen Satz „Neben Profi-Jockeys gibt es inzwischen auch weibliche Jocketten.“ verantwortlich. Was Steffi Hofer wohl davon hält, als Jockette bezeichnet zu werden und nicht als Profi-Jockey?

Hindernisrennen inklusive Jagdrennen und Point-to-Point werden aber später im Text noch korrekt erklärt, selbst die Quarter Horses werden erwähnt. Handicaps, Startmaschine, Bodenspezialisten, all das kommt zur Sprache – inhaltlich wie gesagt einwandfrei.

Ich will nun aber nicht pingelig sein. Es ist ein tolles Buch, das mir einen leicht verständlichen Einstieg in fremde Sportarten bietet. Die vier Fehlübersetzungen im Kapitel über Pferderennen werden Neulingen im Galopprennsport nichts ausmachen und ihnen den Einstieg in den Pferdesport keinesfalls verhageln. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch!

Sport. Regeln, Technik, Taktik„, Dorling Kindersley Verlag GmbH 2008, ISBN: 978-3-8310-1211-4

Und hier noch einmal die Fachausdrücke und wie sie heißen sollten:

  • jumps races: Hindernisrennen
  • pace maker: Pacemaker
  • to make the pace: die Pace machen (ja, es ist denglisch, aber so heißt es nun mal!)
  • female jockey: weiblicher Jockey (nicht Jockette!)

thoroughbred ist kein Trauerbrot

Foto von Peter Wright via Pixabay
Foto von Peter Wright via Pixabay
Ein australischer Englischer Vollblüter im Führring — Foto von Peter Wright via Pixabay

Gestern habe ich einen Film über Kentucky, einen ⇒ Teil der Serie „Legendäre Raddampfer“ auf Arte, gesehen. Natürlich durften die Rennpferde nicht fehlen.

Tolle Bilder von der Three Chimneys Farm und von der Rennbahn in Keeneland gepaart mit einer fehlenden Übersetzung des Wortes thoroughbred (ab Minute 30 etwa). Nicht genug damit, dass der Sprecher die Rasse, die Kentucky berühmt gemacht hat, immer wieder thoroughbred nannte, er sprach sie lustigerweise dabei auch noch „sorrowbread“ (Trauerbrot) aus.

thoroughbred bedeutet (wörtlich) durchgezüchtet. Der Begriff wird im Englischen in Verbindung mit Pferden aber ausschließlich als Bezeichnung einer bestimmten Rasse verwendet. Und er bleibt nicht unübersetzt, sondern es gibt eine deutsche Übersetzung. (Ich nehme mir vor, öfter in englisch-deutschen Wörterbüchern danach Ausschau zu halten. Vielleicht fehlt das Wort ja?)

thoroughbred, thoroughbred horse, thorobred = Englisches Vollblut, Englischer Vollblüter, Vollblut, Vollblutpferd, Vollblüter

Natürlich ist Vollblüter als thoroughbred zu bezeichnen nicht sachlich falsch. Aber es ist für Laien genauso verwirrend, wie wenn in einer Doku über Paris immer nur von „Tu-Rehfell“ die Rede ist, und nie vom Eiffelturm. Die Bedeutung ist natürlich dieselbe, die Verständlichkeit aber nicht.

Wie kann man jetzt aber in Kentucky, USA, von Englischen Vollblütern sprechen? Sind die alle aus dem Mutterland des Rennsports, möglicherweise auf Raddampfern, importiert worden? Nein, die Rasse heißt Englisches Vollblut, ganz egal, ob das Tier in Neuseeland, Chile oder Japan geboren wurde. Es gibt noch das Arabische Vollblutpferd, das auch so heißt, wenn es in Finnland geboren wurde. Es ist die Bezeichnung einer Rasse. Und wenn jemand von Irish thoroughbred spricht, dann meint er einen in Irland geborenen Englischen Vollblüter. (Das ist übrigens mit allen Pferderassen so: ein in der Schweiz geborenes Welsh-Pony ist immer noch ein Welsh-Pony und kein Schweizer Pony.)

Leider sind auch ⇒ die Aussagen von LEO zu thoroughbred teilweise irreführend bzw. beim Eintrag “thoroughbred, thoroughbred horse = Rassepferd” einfach falsch. thoroughbred bedeutet zwar  durchgezüchtet, es wird aber in der Pferdezucht niemals in der Bedeutung Rassepferd oder reinrassig verwendet. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Ein “reinrassiger Araber” ist nicht ein thoroughbred arabian, sondern ein purebred Arabian. Wie es in der Hundezucht oder bei anderen Tieren gehandhabt wird, darüber kann ich nichts sagen. Aber in der Pferdezucht bleibt es bei dieser Gleichung:

thoroughbred, thoroughbred horse, thorobred = Englisches Vollblut, Englischer Vollblüter, Vollblut, Vollblutpferd, Vollblüter

Ich habe auch einen Verdacht, wie es zu der Falschübersetzung mit Rassepferd kommt. Ein Flüchtigkeitsfehler, man denke an racehorse … Möglicherweise handelt es sich bei Rassepferd sogar um einen Anglizismus, entstanden aus einer Falschübersetzung. Ja, es steht im ⇒ Duden. Aber in Reiterkreisen ist das Wort extrem selten, denn die Bezeichnung Rassepferd ist für Pferdeleute nur eine Teil-Information; interessant ist doch die Frage: Welche Rasse? Statt ein Pferd als Rassepferd zu bezeichnen, nennt man die komplette Information: reinrassiger Friese, polnischer Araber mit vollen Papieren …

Die beiden Beispiele im ⇒ Wortschatz der Uni Leipzig belegen das Problem:

  • Australien in den 30er Jahren: Trainer Telford versucht mit brachialer Gewalt aus dem Rassepferd Phar Lap ein gewinnträchtiges Rennpferd zu machen. (www.general-anzeiger-bonn.de, gecrawlt am 04.01.2011) — das ist nicht nur holprig aus dem Englischen übertragen, es ergibt nicht mal Sinn. Vermutlich stand im Original so etwas wie the racehorse Phar Lap, was korrekt ist, denn bei Phar Lap handelt es sich um das berühmteste australische Rennpferd bis Black Caviar (… ein Englischer Vollblüter aus Australien … verwirrend, ja — aber korrekt)
  • Als Grundlage seiner Aussagen verglich Denny die Höchstgeschwindigkeiten des Menschen mit denen von Hund und Rassepferd seit dem 19. Jahrhundert. (www.pressetext.at, gecrawlt am 21.01.2011) — hier stand im englischen Original mit Sicherheit racehorse, und damit “Rennpferd”. Nur dann ist der Zusammenhang mit der Höchstgeschwindigkeit gegeben.

Mehr über das merkwürdige Konzept des „vollen Bluts“ im Beitrag „Blut, warm und kalt„.

dunkelfalb

braun, falb oder erdfarben?
Foto: islandpferdenamen.de

Ich habe jetzt schon mehrfach den Begriff  „dunkelfalb“ als Bezeichnung eines äußerlich eigentlich braunen Pferdes gelesen. Wissen Sie was dahinter steckt?

Kurze Antwort: Nicht genau.

Lange Antwort: Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum man diese Pferde nicht braun nennt, obwohl sie so aussehen. Um den konkreten Grund herauszufinden, müsste man Fotos der betreffenden Pferde sehen und zusätzlich wissen, welche Farben ihre Eltern und Geschwister haben, um so auf die Genetik schließen zu können.

Was ich mir vorstellen könnte, warum das Pferd als dunkelfalb bezeichnet wird:

  • Es könnte ein echter Braunfalbe sein. Ein Braunfalbe hat einen braunen Rumpf, Beine und Kopf sind etwas dunkler, und er hat einen Aalstrich, der sich längs durch seine Mähne, über den Rücken und bis in den Schweifansatz hinein zieht. Braunfalben werden meist für Braune gehalten und als solche eingetragen. Braunfalben sind nur dann Braunfalben, wenn mindestens ein Elternteil ebenfalls ein Falbe war (es muss kein brauner Falbe gewesen sein, ein Mausfalbe ginge zum Beispiel auch, aber auf jeden Fall ein Falbe). Also schauen Sie sich das Pferd gut an – hat es einen Aalstrich? ⇒ Hier ein Beispiel für einen sehr dunklen Braunfalben, ⇒ hier ein Braunfalbe, bei dem man den Aalstrich gut sieht
  • Dann gibt es noch Falben, die so genannt werden, vom Erbgut her aber keine sind. Leider gibt es in Deutschland – jedenfalls soweit mir bekannt – noch keine gute Terminologie der Farben, bei der auch den genetischen Gegebenheiten Rechnung getragen wird. Am weitesten sind da meine ich die Islandpferdezüchter, die relativ genau unterscheiden. (Deswegen entnehme ich meine Beispiele auch der Islandpferde-Datenbank ⇒ Stormhestar.)
    Den echten Falben haben wir oben definiert. Was in Deutschland auch noch Falbe genannt wird, ist das, was die Isländer als erdfarben und die Amerikaner als buckskin bezeichnen. Eine Farbe, die z. B. beim ⇒ Connemara-Pony häufig ist, und dort habe ich auch die Bezeichnung „dunkelfalb“ häufiger gefunden. Ein erdfarbenes Pferd kann am Rumpf von hell-milchkaffeefarben bis braun variieren, die Beine sind dunkler. Oft ist das Gesicht minimal heller als der Rumpf. ⇒ Ein Beispiel für ein hellerdfarbenes Pferd ist der Hengst Óskasteinn vom Barghof, den Laien auch für ein Connemara halten könnten.
    Ein erdfarbenes Pferd hat keinen deutlichen Aalstrich und vor allem ist sein gesamtes Langhaar dunkler als das Fell, und nicht, wie beim Falben, nur die Mitte der Mähne. Es handelt sich um verschiedene Gene, die dafür sorgen, dass ein Pferd entweder ein Falbe oder erdfarben wird*. Dennoch werden beide Farben in Deutschland „falb“ genannt. Dunkelfalb könnte also einer von den ganz dunklen Erdfarbenen sein, die sich mit bloßem Auge kaum von einem normalen Braunen unterscheiden lassen. Um sicher zu sein, muss man die Farben der Vorfahren kennen.
    Da ich wie gesagt den Begriff „dunkelfalb“ vor allem bei den Connemaras gefunden habe, tippe ich darauf, dass es sich um die in den USA als sooty buckskin** oder dark buckskin bekannt gewordene Farbe handelt. In der Islandpferdezucht spricht man von dunkelerdfarben. ⇒ Ein Beispiel für einen sehr dunklen Erdfarbenen (Isländer). Vergleichen Sie mit einem ⇒ dunkelfalben Connemara, Dun Iltschi
  • zu guter Letzt kann es auch ein simpler Brauner sein, aber braunfalb klingt einfach interessanter. Farbgenetik beim Pferd ist modern, und Pferdebesitzerinnen stecken viel Geld in Gentests, weil sie sich so sehr Farbe XY wünschen, von der sie so tolle Fotos im Internet gesehen haben

Bitte bedenken Sie, dass ich keine Biologin bin und schon gar nicht von jeder Farbe eine Stute und einen Hengst in meiner Herde stehen habe, mit denen ich dann munter versuche, einen Mausfalbwindfarbschecken zu züchten, der Farbwechsler ist und dazu noch Schimmel wird (theoretisch müsste das gehen …?).

* wobei es auch beides sein kann, eben weil es zwei verschiedene Gene sind – aber das ist selten. ⇒ Hier ein Beispiel dafür

**sooty buckskin ist auch wieder missverständlich, weil man mittlerweile vermutet, dass es noch ein weiteres Gen geben könnte, das für einen schwärzlichen Farbton zuständig ist, wie man ihn z. B. beim Kohlfuchs findet

Fehler überall

Auf dieser Seite geht es mir darum, gängige und oft vermeidbare Fehlübersetzungen von Pferdewörtern aufzuklären und merkwürdige Begriffe aus der Reitersprache in normalem Deutsch zu erklären. Dabei zeige ich auch manchmal mit dem Finger auf andere und reibe ihnen ihre falschen Übersetzungen unter die Nase.

An dieser Stelle möchte ich einmal mit dem Finger auf mich zeigen. Wenn ich die knapp achtzig Artikel auf dieser Website durchschaue, um zu sehen, welches Thema ich aufgreifen kann, entdecke ich Fehler. Den Unfug mit dem Leberfuchs zum Beispiel. Es reicht nicht, in nur eine Quelle zu schauen, um zu konstatieren „Wort gibt es nicht.“ In einer anderen Quelle gibt es das Wort und zwar schon verdammt lang.

Und dann entdecke ich beim Lesen von Büchern Fehler, die ich schon lange mache, ohne es zu merken. Zum Beispiel Jagdgalopp. Ich habe das Wort immer im Sinne von „jagen“ = „schnell laufen“ als Synonym für besonders schnellen Galopp benutzt. Das, was man als Kind stolz Fetzgalopp genannt hat, vor allem, wenn man dabei nicht runtergefallen ist. Aber das ist Unfug. Jagdgalopp ist im Gegenteil „ein gleichmäßiger ruhiger Galopp, den das Pferd über lange Strecken (zum Beispiel bei der Jagd) durchzuhalten vermag“. Leuchtet ein, oderr?

Deswegen an dieser Stelle die eindringliche Bitte: Wenn Sie einen Fehler entdecken oder auch nur etwas für diskussionswürdig halten, nutzen Sie das Kommentarfeld! Ich bin vor Fehlern, seien es Flüchtigkeitsfehler oder langjähriger Irrglaube, genauso wenig gefeit wie alle anderen. Und damit die Geschichte des Sich-Irrens sichtbar bleibt, lasse ich meine Fehler in den meisten Fällen durchgestrichen neben der korrigierten Fassung stehen und markiere entsprechende Artikel mit dem Stichwort „Fehlerteufel“.

PS: Wo wir bei „mit dem Finger auf etwas zeigen“ sind: Wenn mir jemand am Pferdeskelett oder am Pferd die Ganasche zeigen kann, wäre ich sehr dankbar. Damit scheint nämlich auch jeder etwas anderes zu meinen.