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Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen
Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen ― Foto von ThreeMilesPerHour via Pixabay

Jedes Rennpferd gehört jemandem, einer oder mehreren Personen, die sich unter einem Decknamen (Stall Soundso, Gestüt Larifari), als Besitzergemeinschaft, als Syndikat oder Club zusammengefunden haben. Charakteristisch ist dabei die Rennfarbe, die jeder Besitzer für sich registrieren lässt, und die ― wie oben zu sehen ― sehr bunt ausfallen kann.

Wichtig ist für uns im lexikalischen Zusammenhang, dass man im Galopprennsport immer nur von dem »Besitzer« spricht. Der Eigentümer wird nicht genannt. Oft sind Eigentümer und Besitzer identisch, manchmal aber nicht, z. B. wenn das Pferd gepachtet ist.

Ein Besitzertrainer ist nicht jemand, der Besitzer trainiert, sondern jemand, der seine eigenen Pferde trainiert, also Trainer und Besitzer gleichzeitig ist.

Ein Wort, das im Deutschen fehlt, ist owner-breeder. In meiner Zeit bei der Sport-Welt umschrieb man das, zum Beispiel in einer Stall-Parade, wortreich wie folgt: »Hans Meyer hat mit dem von ihm gezogenen Abraxas noch einen vielversprechenden Colinas-Sohn im Aufgebot für den Winterfavoriten«. (Die Eigennamen sind erfunden, der Satz aber hätte original so in der Zeitung stehen können.) Man konnte auch von »Hans Meyers selbstgezogenem Abraxas« sprechen, oder man schrieb »Abraxas, der von seinem Besitzer Hans Meyer auch gezogen wurde«. Sehr hakelige Formulierung, die mir damals schon nicht gefiel.

Nebenbei fällt auf, dass Galopper nicht »gezüchtet«, sondern »gezogen« werden.

Schienbeine haben

Rennpferd im Training ― Foto von Yenni Vance via Pixabay
Ein Rennpferd cantert bei der Morgenarbeit unter einem Arbeitsreiter ― Foto von Yenni Vance via Pixabay

In meiner Zeit bei der Sport-Welt gehörte es zu den spannendsten Aufgaben, im Frühjahr in die Rennställe zu fahren und mit den Trainern jedes einzelne Pferd anzuschauen und es zu besprechen. Wieder in der Redaktion, musste man die vielen Notizen zusammenfassen und eine sogenannte Stall-Parade schreiben, in der einerseits für den interessierten Wetter genug tatsächliche Informationen enthalten waren, andererseits aber für den engagierten Rennpferdebesitzer auch genug Streicheleinheiten. Wer liest schon gern in der Zeitung, dass er Monat für Monat Trainingsgebühren für einen Vollblüter zahlt, der voraussichtlich nie einen Blumentopf gewinnen wird.

Stallparade bei Uwe Ostmann, erschienen in der Sport-Welt 1987
Stallparade bei Trainer Uwe Ostmann, erschienen in der Sport-Welt 1987 – die hab ich nicht geschrieben, nur gelesen. Alte Zeit war später richtig gut.

Es gab zwei Typen von Trainern. Die einen nahmen meine Kollegen und mich sofort ins Vertrauen und sagten uns schonungslos ihre Meinung über ihre Schützlinge. Ob das Pferd einen bestimmten Boden brauchte, einen bestimmten Rennverlauf, was sie schon mit den Distanzen probiert hatten, mit welchem Pferd unser Kandidat in der Morgenarbeit Kopf-Kopf geht (woran man ablesen kann, wie gut die Pferde in Relation zueinander sind), welche Rennen für das Pferd in dieser Saison geplant sind. Das waren in der Regel die Trainer mit den vollen Ställen. Die vertrauten darauf, dass wir sie nicht mit »Das ist ein Pferd, so sympathisch wie Zahnschmerzen« oder »ziemlich das langsamste, was wir haben« in der Zeitung zitierten (obwohl die Sätze so gefallen waren). Das waren aber auch Trainer, die sich leisten konnten, einem Besitzer zu sagen, dass sein Rennpferd kein Hochleistungssportler ist, weil sie wussten: Wenn er das Pferd abzieht, wird die Box wieder voll.

Meine Notizen zu einer Stall-Parade 1998
Meine Notizen zu einer Stall-Parade der Sport-Welt 1998. Leider weiß ich nicht, ob ich die gedruckte Fassung auch noch irgendwo habe…

Die andere Sorte Trainer wollte nichts riskieren. Lieber den Zeitungsleuten keinen Anlass geben, ihre Arbeit in irgendeiner Form anzuzweifeln. Verständlich, wenn man selbständig ist und das Einkommen aus der Formel »Anzahl der belegten Boxen + Prozente der eingaloppierten Geldpreise« besteht. Das waren die schwierigen Stall-Paraden. Der Trainer wand sich und sagte zum zehnten Mal, dass das Pferd »noch in der Entwicklung gestanden« habe, nochmal »einen Schub« mache und dass jetzt wirklich bald »der Knoten platzen« müsste. Man hätte es leider noch nicht herausbringen können, denn es hätte Schienbeine gehabt.

Nun mag man von sich selber auf Pferde schließen und denken, dass Schienbeine zu haben an sich nichts Erfolg verhinderndes, ja eher etwas dem Laufen zuträgliches ist. Aber es ist nicht so, dass »Schienbeine haben« bei Rennpferden generell nur eine Ausrede ist! Nein, »Schienbeine haben« ist tatsächlich ein häufiges Problem, das bei jungen Pferden auftauchen kann, wenn sie antrainiert werden. Bitte bedenken Sie, dass ich keine Tierärztin bin und meine Beschreibung daher nicht wissenschaftlich ausfallen kann:

Hat ein Pferd »Schienbeine«, so kann man vorn am Röhrbein erhöhte Temperatur, Empfindlichkeit und in späteren Stadien eine Schwellung fühlen (unter anderem deswegen bekommt jedes Rennpferd mehrfach täglich die Beine abgetastet). Grund dafür ist eine Überlastung, auf die der Körper mit Knochenzubildung im belasteten Bereich reagiert. In der Folge wird die Knochenhaut gereizt, sie schwillt an und entzündet sich. Gibt man dem Pferd rechtzeitig Ruhe (wenn das Pferd beim Abtasten empfindlich reagiert, aber noch keine Schwellung vorhanden ist), muss oft nur kurz mit dem Training ausgesetzt werden. Andererseits können »Schienbeine« auch dazu führen, dass der junge Vollblüter für sechs Wochen oder auch drei Monate lang aus dem Training genommen werden muss.

»Schienbeine haben« heißt auf englisch »to have sore shins« oder »to have bucked shins«. Und auf englisch kann man sich die Schienbeine auch aktiv zuziehen: horses buck their shins.

»sore« trifft man im Pferdebereich noch an anderen Orten, z. B. gibt es den Begriff »to be saddle sore«, der bedeutet »wundsein« im Sinne von »Wundgerittensein« (auch als Adjektiv saddle-sore« = wundgeritten) (beides auf den Reiter bezogen) bzw. auf das Pferd bezogen »Satteldruck«. Ein »saddle-sore horse« ist ein Pferd, das Satteldruck hat.


Eine kurze, persönliche Anmerkung: Ich bin allen Trainern dankbar, die mir damals auf Augenhöhe begegnet sind. Ich war in 111 Jahren Verlagsgeschichte, soweit sich der bereits in Ruhestand befindliche Rudi Schillings zurückerinnern konnte, die erste Frau in der Redaktion der Sport-Welt, und für manche im Rennsport war das anscheinend gewöhnungsbedürftig.

maiden

Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay
Mindestens eins dieser Pferde wird am Ende nicht mehr maiden sein – Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay

Im ⇒ Kreuzworträtsel-Wörterbuch wird »maiden« als »junges Rennpferd« beschrieben. Es bedeutet im Galopprennsport aber »sieglos«, mit dem Alter hat das nichts zu tun (auch wenn junge Pferde naturgemäß öfter sieglos sind als ältere). Früher habe ich es wie das Verb »meiden« ausgesprochen, bei der Sport-Welt sagten die Redakteure dann aber eher »mähden«. Das ist vermutlich richtig, nicht nur, weil mein Chef das so gesagt hat, sondern weil das Wort wahrscheinlich wie der gesamte Rennsport aus England gekommen ist. Jedenfalls gibt es das Wort dort auch, wie folgende Überschriften aus der ⇒ Racing Post zeigen:

  • Jessie still a maiden despite trading short (»Jessie immer noch sieglos trotz Nachfrage am Wettmarkt«)
  • Return to fast ground sure to suit this maiden (»Rückkehr auf festen Boden sicherlich günstig für dieses sieglose Pferd«)
  • Mary Tudor out to claim crown and shed maiden tag in the process (»Mary Tudor versucht die Krone zu erobern und dabei den ersten Sieg zu landen«)
  • First encounter with cut could be what this maiden needs (»Das erste Mal weicher Boden könnte das sein, was dieses sieglose Pferd braucht«)
  • Well-entered filly should get off the mark in interesting maiden (»Stute mit Nennungen in besseren Rennen dürfte ihre Handicapmarke in einem interessanten Sieglosenrennen bestätigen können«)
  • Longstanding maiden can finally break his duck (»Ein seit langer Zeit siegloses Pferd kann endlich den ersten Sieg schaffen«) Anmerkung: Ein Pferd kann auf deutsch »seit langer Zeit sieglos« sein, auch wenn es früher einmal gewonnen hat. Aber »maiden« kann es nur bis zum ersten Sieg sein, danach nie wieder. Das Pferd, um das es in dieser Schlagzeile geht, hat noch nie gewonnen. Auf englisch ist das eindeutig.
  • Warrior earns Derby quotes after easy maiden win (»Warrior wird in den Derby-Wettmarkt aufgenommen nach einem leichten ersten Sieg«) Anmerkung: easy win ist immer ein »leichter« Sieg, nie ein »einfacher« Sieg.
  • From a Southwell maiden to the world’s most famous Flat race (»Von einem Sieglosenrennen in Southwell zum berühmtesten Flachrennen der Welt«)

maiden kann also sowohl »sieglos«, »siegloses Pferd«, »Maidenrennen/Sieglosenrennen« und in der Kombination maiden win auch »erster Sieg« bedeuten. to shed the maiden tag (wörtlich »das Maiden-Schild abschütteln«) und to break one’s duck (wörtlich »seine/ihre Ente brechen«) ist auf deutsch »die Maidenschaft ablegen«, also den ersten Sieg landen. Klingt komisch, ist aber so.

The sire’s lady

Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
Stute mit Fohlen – Foto von Bhakti Iyata via Pixabay

Der Deckhengst und Vater heißt also sire, aber wie heißt die Mutterstute?

Hier ein kurzer Überblick über die Begriffe im Galopprennsport:

sire konkret: Vater, allgemein: Deckhengst, Beschäler
dam konkret: Mutter, allgemein: Mutterstute, Zuchtstute
grand sire  Vater des Vaters
grand dam  zweite Mutter — niemals Großmutter
dam’s sire
damsire
 Vater der Mutter, Muttervater
broodmare sire  Vater von Müttern (ja, das klingt seltsam)
colt  Hengst, der kein Deckhengst ist, vierjährig oder jünger
gelding  Wallach
stallion  Hengst, im Rennsport konkret ein Deckhengst
entire  Hengst, der noch Rennen läuft, älter als vier Jahre, wird vor allem in der Schriftsprache verwendet, wird meist »h.« abgekürzt, vermutlich für »horse«
rig Klopphengst
filly  Stute vierjährig oder jünger
mare  Stute älter als vier Jahre
juvenile  die jüngste Generation Rennpferd: bei Flachrennen zweijährig, bei Hindernisrennen drei- oder vierjährig
maiden  siegloses Pferd

Referenz: ⇒ Hier eine Übersicht auf englisch

Zahlen im Galopprennsport

Foto von Lizardboy via Pixabay
Galopprennen – Foto von Lizardboy via Pixabay

Beim Anschauen von alten Rennfilmen mit englischem Kommentar ist mir aufgefallen, dass es relativ viele Ausdrücke in Verbindung mit Zahlen gibt, die sich Neulingen vielleicht nicht so leicht erschließen. Einige davon notiere ich hier:

  • field of five – ein fünf Pferde umfassendes Starterfeld, oder einfacher ausgedrückt: die fünf Starter. Mehr zum Begriff field
  • third by two – Dritter bzw. an dritter Stelle liegend, zwei Längen zurück hinter dem Zweiten: Storm Cat on the lead from Danzig Connection, Mogambo third by two
  • four wide – in vierter Spur, also drei Pferdebreiten (nicht -längen!) von den inneren Rails entfernt, hier sehr schön zu sehen: ⇒ Now Zenyatta is kicked into gear, she’s decided to go four wide (Minute 4:40 im Video)
  • six lengths off the lead – sechs Längen hinter der Spitze, mit sechs Längen Rückstand auf den Pacemaker/das Pferd an der Spitze/den Führenden/den Frontrunner
  • to lead by two – mit zwei Längen Vorsprung führen
  • four from home – in Hindernisrennen: Noch vier Hindernisse zu nehmen, vier Sprünge vor dem Ziel
  • seven straight, seven in a row – sieben Siege in Serie: Arazi has now won seven in a row, Black Caviar is now 19 straight
  • two to go – meist sind furlongs gemeint, d. h. 200 Meter. Just over two to go = gut vierhundert Meter noch zu galoppieren (zu hören und sehen im Video über ⇒ Nashwan bei 0:36)
  • clear by two – im selben Film (4:32) „Here comes Nashwan on the outside with a furlong and a half to go, and Nashwan goes on, and the crowd rise to a champion, it’s Nashwan, clear by two“: mit zwei Längen Vorsprung (to be clear heißt soviel wie vorbei sein am Gegner, die Nase in Front haben)
  • ten for ten – zehn Starts, zehn Siege: „Allicansayiswow has lost the lead to Zenyatta who runs away and is now a perfect ten for ten“
  • the quarter in twenty-three and one – eine Viertelmeile in 23,1 Sekunden (Minute 4:58 im ⇒ Video von Arazis Breeders‘-Cup-Sieg)
  • six to one from seven to one – „Hector Protector is now six to one from seven to one“, das versteht man wohl besser, wenn man es geschrieben sieht (in ⇒ diesem Video über das Epsom Derby 1990 in Minute 3:29). Was es bedeutet: Die Quote für einen Sieg von Hector Protector beträgt jetzt 6:1, nachdem sie zunächst 7:1 betragen hatte (opened at sevens)
  • at eight to one – „Generous at eight to one“: Generous steht (bei einer Quote von) 8:1. Vorsicht, das ist nicht dasselbe wie 80:10
  • to run off a mark of 139 – mit einer Marke von 139 (Pfund) an den Start gehen. Das englische Handicap wird in Pfund berechnet, das deutsche in Kilogramm.

 

Wie heißt der Reiter vom Rennpferd?

Endkampf
Endkampf

Kommt auf die Situation und die Ausbildung des Reiters an.

  • Arbeitsreiter, Arbeitsreiterin – reitet das Pferd in der Morgenarbeit, also im Training. Kann ein Amateur oder ein Profi sein
  • Amateur, Amateurin, Amateurrennreiter , Amateurrennreiterin – kein Profireiter, darf aber in Amateurrennen starten. Als Amateur werden im Rennsport auch diejenigen „Aushilfen“ bezeichnet, die die Pferde morgens bewegen, auch wenn sie keine Amateurlizenz haben, also in Rennen nicht startberechtigt sind
  • Stift – umgangssprachlich für Azubi zum Rennreiter. Keine weibliche Form
  • Rennreiter, Rennreiterin – ein Ausbildungsberuf, genauer gesagt Pferdewirt Fachrichtung Pferderennen
  • Jockey – ein Rennreiter mit mindestens 50 Siegen. Keine weibliche Form
  • Erlaubnisreiter, Erlaubnisreiterin – ein Rennreiter mit weniger als 50 Siegen. Er bekommt im Rennen eine „Erlaubnis“, das ist nicht eine Genehmigung, sondern ein Gewichtsnachlass, abhängig von der Anzahl seiner Siege

Für eine Menge mehr Pferdeberufe, nicht nur rund um den Galopprennsport, siehe: Berufe rund ums Pferd

„Sport“ (Dorling Kindersley)

Bei den Olympischen Spielen schaue ich besonders gern Sportarten, von denen ich nichts verstehe. Die Kommentatoren der öffentlich-rechtlichen und der Privatsender sind sehr unterschiedlich und vermitteln vor allem unterschiedlich viel Fachwissen. Zur Zeit gefallen mir die Reporter von Eurosport sehr gut, die die Regeln und Eigenheiten obskurerer Sportarten kompetent vermitteln und herausragende Leistungen begeistert feiern, ohne dabei eine  schwarz-rot-goldene Brille zu tragen. Das macht Spaß!

Und dann habe ich einen stacheligen Wälzer neben mir auf dem Sofa liegen. Ein Buch, in Kunstrasen gebunden, das musste ich haben. Es trägt den schlichten Titel „Sport. Regeln, Technik, Taktik“. Während der Olympischen Spiele, bzw. der Fernsehübertragung davon, ist für mich die beste Gelegenheit, dieses Buch intensiv zu nutzen und dabei seine Nützlichkeit zu überprüfen. Beim Wasserspringen, Gewichtheben und Kunstturnen habe ich jetzt Übertragung und Buch parallel genutzt und komme zu folgendem Fazit:

Das Buch ist gut strukturiert, stellt die wichtigsten Regeln der Sportart leicht verständlich dar und ist – das ist sehr nützlich – mit jeder Menge Illustrationen und Schemazeichnungen bestückt. Bei den drei oben genannten Sportarten hat mir das Buch ganz klar geholfen, den Wettkampf besser zu verfolgen.

Sport. Regeln, Technik, Taktik
Sport. Regeln, Technik, Taktik

Gewichtheben hat eine Seite mit 10 Bildern, kompliziertere Sportarten wie Cricket bekommen auch mal 6 Seiten und 32 Zeichnungen. Bislang deckten sich die Angaben im Buch mit denen der Fernseh-Kommentatoren. Die Richtigkeit der Angaben und der Übersetzung kann ich aber nur beim Pferdesport wirklich überprüfen. Pferderennen (Galopp) und Polo haben je 4 Seiten; Springreiten zwei Seiten; Trabrennen, Rodeo, Dressur und Vielseitigkeit (leider noch als Military bezeichnet) haben je eine Seite, und Horseball und „Kutschenrennen“ (abgebildet ist ein Einspänner-Marathonwagen, würde ich sagen) haben je eine halbe Seite.

Das Kapitel zum Galopprennsport ist fachlich korrekt. Zum Teil ist es England-lastig („Im Sommer finden nur Flachrennen (Galopprennen) statt, im Winter auch Hindernis- und Geländerennen“ – das ist in Deutschland anders, und Geländerennen gibt es nicht, gemeint sind wohl Jagdrennen). Auch die Übersetzer dieses Standardwerks tappen leider in die Falle mit den „jumps races“ („Springrennen“), übersetzen „pace maker“ als „Schrittmacher“ und schreiben von „den Schritt machen“. Schade. Und sie sind für den tollen Satz „Neben Profi-Jockeys gibt es inzwischen auch weibliche Jocketten.“ verantwortlich. Was Steffi Hofer wohl davon hält, als Jockette bezeichnet zu werden und nicht als Profi-Jockey?

Hindernisrennen inklusive Jagdrennen und Point-to-Point werden aber später im Text noch korrekt erklärt, selbst die Quarter Horses werden erwähnt. Handicaps, Startmaschine, Bodenspezialisten, all das kommt zur Sprache – inhaltlich wie gesagt einwandfrei.

Ich will nun aber nicht pingelig sein. Es ist ein tolles Buch, das mir einen leicht verständlichen Einstieg in fremde Sportarten bietet. Die vier Fehlübersetzungen im Kapitel über Pferderennen werden Neulingen im Galopprennsport nichts ausmachen und ihnen den Einstieg in den Pferdesport keinesfalls verhageln. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch!

Sport. Regeln, Technik, Taktik„, Dorling Kindersley Verlag GmbH 2008, ISBN: 978-3-8310-1211-4

Und hier noch einmal die Fachausdrücke und wie sie heißen sollten:

  • jumps races: Hindernisrennen
  • pace maker: Pacemaker
  • to make the pace: die Pace machen (ja, es ist denglisch, aber so heißt es nun mal!)
  • female jockey: weiblicher Jockey (nicht Jockette!)

Pferde mit Vornamen und Nachnamen

„Hat dein Pferd auch einen Nachnamen?“, wurde ich neulich gefragt. Erst war ich verwundert, dann kapierte ich es. Es ist ein Islandpferd, und deswegen hat es nach seinem eigentlichen Namen noch eine Herkunftsbezeichnung. Álfasteinn frá Selfossi zum Beispiel. Frá Selfossi bedeutet „aus Selfoss“. Früher waren diese Zusätze vor allem wichtig, weil die Isländer ihren Pferden oft so langweilige Standardnamen gaben, dass man sie schlecht auseinanderhalten konnte (einfach mal bei ⇒ Stormhestar nach „Brúnn“ suchen …). Heute sind sie wichtig, weil bestimmte Zuchtstätten sich einen unheimlich guten Namen aufgebaut haben.

Damit nun nicht jeder behaupten kann, sein Pferd stamme aus einem berühmten Gestüt (frá Hofsstaðaseli, frá Kirkjubæ, frá Kolkuósi bspw.), muss man diese Züchternamen registrieren, und nur der Inhaber kann sie verwenden. Man kann sein Pferd nicht einfach in „frá Hindisvík“ umbenennen, wenn es in Wirklichkeit „frá Ytrustu-Bykkjustöðum 2A“ ist, oder vielleicht sogar nur „von hinterm Haus“.

Ein ähnliches Konzept gibt es z. B. auch bei Warmblütern. Nur werden dort statt Nachnamen Kürzel verwendet, die dem Pferdenamen voran- oder nachgestellt gestellt werden (Präfix oder Suffix). Beispielsweise der Trakehner E.H. Angard und seine Tochter Olivia TSF. Außerdem können Sportpferde gesponsert werden und dann den Namen des Sponsors tragen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Noltes Küchengirl.

Ganz anders ist die Lage bei Englischen Vollblütern. Die tragen zwar ab und zu ein paar Buchstaben in Klammern hinter dem Namen, aber die sind kein Züchterkürzel, sondern das Geburtsland des Pferdes. Das spielt eine Rolle bei Galoppern mit gleichen Namen. Denn die muss man ja auseinanderhalten können, nicht nur, weil sie gegeneinander laufen könnten, nein, vor allem, weil die Vollblutzucht eine Reinzucht ist und das Zuchtbuch entsprechend akkurat geführt werden muss. Deswegen ist es wichtig, zwischen Chichicastenango [FR] und dem zwei Jahre älteren Chichicastenango [ITY] zu unterscheiden, weil der eine richtig gut war und der andere eher schlecht. Und dann ist das Geburtsland auch noch wichtig für die Inländergeltung, aber um das fehlerfrei erklären zu können, müsste ich in die Rennordnung schauen und ehrlich gesagt, möchte ich lieber ein wenig auf ⇒ siegerlisten.de herumklicken und schauen, was Chichicastenango [FR] so alles gewonnen hat.

Bei Fragen wie immer unten das Kommentarfeld nutzen!

„track record“ ist kein Streckenrekord

Foto von Peter Wright via Pixabay
Endkampf – Foto von Peter Wright via Pixabay

„Ich weiß nicht, was passiert ist. Er ist so toll gelaufen – und als er dann ausbrach, war ich machtlos. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wenn er in der richtigen Richtung weitergelaufen wäre, hätte es einen Streckenrekord gegeben!“

(Quelle: Ginny Elliot, Schnell wie der Wind) Es ist nur ein kleiner Flüchtigkeitsfehler, aber track record ist im Zusammenhang mit Galopprennen ein Bahnrekord. stakes record ist eine Subspezies von Bahnrekord, nämlich der Bahnrekord in Stakes-Rennen, also in höherklassigen Rennen. Es ist nämlich keineswegs so, dass die beste Zeit immer im bestbesetzten Rennen erzielt wird, und so kann es sein, dass der track record den stakes record unterbietet.

Es gibt noch andere records im Galopprennsport, nämlich die race records. Das sind keine Rekorde, sondern Rennergebnisse. Rennprotokolle beschreibt den Begriff auch korrekt, aber der richtige Fachbegriff ist Ergebnisse oder Rennergebnisse.

clerk of the scales

Ohne Kontext kann man an dem Ausdruck „clerk of the scales“ wahrscheinlich ganz schön verzweifeln. Computer-Übersetzungsdienste würden vielleicht sogar einen Angestellten der Schuppen daraus machen.
Auf einer Galopprennbahn ist der clerk of the scales der Abwieger. Sein Job ist es tatsächlich, die Jockeys zu wiegen und somit sicherzustellen, dass jeder Jockey (inklusive Sattel und nötigenfalls Bleidecke) genau das Gewicht auf die Waage bringt, das im Programm steht. Hintergrund: Muss das Pferd weniger tragen, kann es schneller laufen. „Wiegemeister“ ist eine Fehlübersetzung.