»hengstig« und »rossig«

Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Der aufgewölbte Hals soll imponieren, das Aufstampfen mit dem Vorderfuß ist eine Drohgebärde — Foto von Brian Dorff via Pixabay

Zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben die Begriffe »hengstig« und »rossig«, sie sind keinesfalls austauschbar. Nur männliche Pferde können hengstig sein und nur Stuten rossig.

»Hengstig« zu sein bedeutet, dass ein männliches Pferd, also ein Hengst oder ein Wallach, Hengstmanieren zeigt.
Hengstmanieren zeigt das Pferd vor allem, wenn es andere Pferde erblickt oder ihnen begegnet:
— übermäßige Aufregung und Unruhe beim Anblick anderer Pferde
— Imponiergehabe in Gegenwart anderer Pferde, z. B. »einen Kragen machen« (den Hals aufwölben), den Schweif aufstellen beim Laufen
— Drohgebärden gegenüber anderen Hengsten oder Wallachen, z. B. mit dem Vorderhuf aufstampfen, quieken
— »ausschachten«, also den Penis ausfahren
— lautstarkes Kontakt-aufnehmen-wollen mit anderen Pferden, vor allem Stuten; wiehern, prusten, blubbern

Auch Wallache können sehr hengstig sein, vor allem, wenn sie spät gelegt (=kastriert) worden sind oder unerkannt Klopphengst sind.

Eine »rossige« Stute ist paarungsbereit. Manche Stuten rossen, ohne dass man es ihnen ansieht, andere zeigen es überdeutlich, dass sie rossig sind.

Den Begriff Stutenmanieren analog zu den Hengstmanieren gibt es nicht. Dafür rossen Stuten, aber Hengste hengsten nicht. Die Zeit, in der die Stute paarungsbereit ist, nennt man Rosse.

Anzeichen dafür, dass die Stute rossig ist, sind:
— sie »blitzt«: hebt ihren Schweif und zuckt kurz mit den Schamlippen
— sie uriniert häufig
— sie reagiert empfindlicher auf Berührung, ist kitzlig oder genießt das Gekraultwerden mehr als sonst

Bei anderen Nutztierarten sind die Begriffe genau andersherum als bei den Pferden (wo der Hengst hengstig ist und nicht die Stute):

  • Schaf und Ziege sind bockig
  • die Kuh ist bullig oder stierig

Lustig finde ich das weitere Fachvokabular zur Paarungsbereitschaft bzw. Brunft der Tiere. Es beschreibt oft sehr genau das Verhalten, das das Tier zeigt.

  • Hündin: läufig
  • Katze: rollig
  • Schwein: rauschig

Altes Wort für … Stute

Foto via Pixabay
Stute und Fohlen – Foto via Pixabay

“Stute” ist heute bundesweit und, soweit mir bekannt, auch in anderen deutschsprachigen Ländern der einheitliche Begriff für “ausgewachsenes weibliches Pferd”.

Es gab und gibt noch andere Bezeichnungen, die uns heute meist nicht mehr geläufig sind, in manchen Dialekten aber noch erhalten sein können. Die nachfolgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe die Begriffe und ihre Definitionen aus den “Untersuchungen zu den Haustiernamen des Rheinlands” von Dr. Anna Luise Brockmans von 1939. Sie hat die geografische Verbreitung verschiedener Bezeichnungen von Haustieren untersucht.

  • Mähre. Ein Begriff, der einen Bedeutungswandel durchgemacht hat. Während er früher einfach “weibliches Pferd” bedeutete, wird er heute meist nur noch in der Bedeutung “altes abgetriebenes Pferd” verwendet (also in dem, wie das Buch so schön festhält, “verächtlichen Nebensinn”). Vgl. englisch mare, niederländisch merrie, isländisch meri.
  • Mährenpferd. Hierzu schreibt Frau Dr. Brockmans: “Mähre erfährt in der Wortzusammensetzung Mährenpferd durch den Gn. [=Gattungsnamen] Pferd eine Verdeutlichung, ein Zeichen dafür, daß das Wort Mähre in besagten Gebieten bereits sinnentleert und damit in die Gefahr des Aussterbens geraten ist; man vergleiche Bildungen wie (…) Walfisch”
  • Strut, Strute, Strutpferd.
  • Stutenpferd. Eine Bildung wie Mährenpferd.
  • Mutterpferd
  • Muttergaul. Hierzu schreibt die Autorin: “Wo Gaul der Gn. [=Gattungsname] des Pferdes ist, (…) erscheint Muttergaul in derselben Bedeutung wie Mutterpferd im Pferd-Gebiet.”
  • Zielpferd. Bedeutet Zuchtpferd (ziel – ziehen – züchten ist der Zusammenhang).
  • Füllenpferd. Ein Pferd, das ein Fohlen hat, also ein Mutterpferd, ein weibliches Zuchtpferd.
  • Füllengaul
  • Füllenstute
  • Füllenmähre. In der Westeifel ursprünglich ein weibliches Pferd, das zur Zucht verwandt wird. Die Bedeutung wandelte sich aber hin zu “gute Stute”, einerlei, ob sie zur Zucht eingesetzt wurde oder nicht. In Schleswig-Holstein die Bezeichnung einer trächtigen Stute, während das Mutterpferd Fahlentöt heißt und das weibliche Pferd allgemein Fahlenpferd.
  • Füllenroß. Im Steirischen ein Pferd, das ein Saugfohlen hat.
  • Fülligurre. Bezeichnung für Stute mit Fohlen in der Schweiz.

Einen weiteren in diesem Buch gefundenen Begriff will ich nicht unterschlagen: “Mährfohlen” für “junges weibliches Pferd”. Heute würde man “Stutfohlen” sagen.

Suchst du andere Wörter für Pferde allgemein? Die findest du hier.

The sire’s lady

Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
Stute mit Fohlen – Foto von Bhakti Iyata via Pixabay

Der Deckhengst und Vater heißt also sire, aber wie heißt die Mutterstute?

Hier ein kurzer Überblick über die Begriffe im Galopprennsport:

sire konkret: Vater, allgemein: Deckhengst, Beschäler
dam konkret: Mutter, allgemein: Mutterstute, Zuchtstute
grand sire  Vater des Vaters
grand dam  zweite Mutter — niemals Großmutter
dam’s sire
damsire
 Vater der Mutter, Muttervater
broodmare sire  Vater von Müttern (ja, das klingt seltsam)
colt  Hengst, der kein Deckhengst ist, vierjährig oder jünger
gelding  Wallach
stallion  Hengst, im Rennsport konkret ein Deckhengst
entire  Hengst, der noch Rennen läuft, älter als vier Jahre, wird vor allem in der Schriftsprache verwendet, wird meist »h.« abgekürzt, vermutlich für »horse«
rig Klopphengst
filly  Stute vierjährig oder jünger
mare  Stute älter als vier Jahre
juvenile  die jüngste Generation Rennpferd: bei Flachrennen zweijährig, bei Hindernisrennen drei- oder vierjährig
maiden  siegloses Pferd

Referenz: ⇒ Hier eine Übersicht auf englisch

Was bedeutet „sire“?

Sire hat mehrere Bedeutungen. In einem Satz wie

Seattle Slew, sire: Bold Reasoning, dam: My Charmer (by Poker)

bedeutet es Vater (dam bedeutet Mutter, by bedeutet von). In einem Satz wie diesem aus der ⇒ Racing Post:

Sadler’s Wells: top-class 8-12f runner, exceptional sire, frequently gets top-class 2yos from summer onwards at 7f+

bedeutet es Deckhengst, Zuchthengst, Beschäler. Als Verb bedeutet es zeugen, zum Beispiel in diesem Satz aus der ⇒ New York Times:

To all those who think the winner of the Kentucky Derby in 2096 might be sired by a currently prized stallion like Mr. Prospector or Seattle Slew, The Jockey Club offers one word: Whoa.

Außerdem gibt es noch die Bedeutung von „Sire“ als Anrede des Königs, siehe ⇒ Wikipedia: Sire.

Probierhengst

Meine letzte Notiz, den Film „Dreamer – Ein Traum wird wahr“ betreffend. Und dabei muss ich gestehen, dass ich nicht auf den englischen Original-Begriff komme. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass es auf deutsch Probierhengst und nicht Lockbunny heißt, wenn es darum geht, einen Hengst zu beschreiben, der die Stuten selbst nicht decken darf, sondern nur anzeigen soll, ob sie denn auch rossig sind (daran zu erkennen, dass er sie Weiterlesen

Pferdenamen „Brúnn“ und „Hesta“

Hallo,
Meine Reitbeteiligung heißt ⇒ Brúnn, das steht bei männlichen Namen. Sie ist aber eine Stute, und sie kommt auch von einem Züchter (von Ellenbach). Ist der Name „falsch“?
Und gibt es den Namen Hesta?

Hallo …,

die Stute hat leider einen Tippfehler im Namen. Sie muss „Brún“ heißen, das ist die weibliche Form von „Brúnn“. Dass sie von einem Züchter kommt, heißt ja nichts, denn nicht jeder Islandpferdezüchter spricht fließend isländisch :) Ist sie denn wenigstens ein Rappe? Denn sonst würde der Name noch weniger Sinn ergeben.
Der Name „Hesta“ ist sprachlich ziemlicher Unfug, „hestar“ heißt „Pferde“ und „hesta“ ist der Akkusativ und Genitiv davon, das wäre also so, als würde man ein Pferd „Pferdes“ nennen.

Bless
Maike

Siehe ⇒ „hestur“ bei Wiktionary