Was ist ein Klopphengst?

Hengst, Wallach oder Klopphengst
Hengst, Wallach oder Klopphengst, nicht immer leicht zu unterscheiden – Foto von Aislinn Brander via Pixabay

Bei einem Klopphengst ist ein (oder sind beide) Hoden nicht in den Hodensack gewandert, sondern in der Bauchhöhle stecken geblieben. Der tiermedizinische Fachausdruck ist Kryptorchide, frühere Bezeichnungen sind Klopfhengst, Spitzhengst oder Urhengst (Quelle: von Norman).

Man kann einem Klopphengst den problematischen Hoden entfernen und den funktionsfähigen erhalten, was ihn von der Terminologie her zu einem Monorchiden macht. Ein solcher Hengst ist in der Zucht oft voll einsatzfähig, ein berühmtes Beispiel ist der ➸ Vollbluthengst A.P. Indy.

Auf isländisch heißt ein Kryptorchide eineistningur (wörtlich übersetzt: »Einhodling«), und die Eigenschaft, ein Klopphengst zu sein, nennt man laungraður (wörtlich übersetzt: »heimlich hengstig«).

Englisch cryptorchid und ridgeling bzw. ridgling, umgangssprachlich kurz rig. Mittlerweile wird die Bezeichnung auch offiziell für Rennpferde angegeben, als Teil der sehr differenzierten Geschlechtsbezeichnungen in der englischsprachigen Vollblutzucht (siehe den Artikel über filly, mare, colt, etc.) (Quelle: ➸ Racing Post, Liste der Abkürzungen im Rennprogramm)

Das ➸ Rheinische Wörterbuch gibt als weiteres Synonym noch Binnenhengst an.

Quellen:

»hengstig« und »rossig«

Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Der aufgewölbte Hals soll imponieren, das Aufstampfen mit dem Vorderfuß ist eine Drohgebärde — Foto von Brian Dorff via Pixabay

Zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben die Begriffe »hengstig« und »rossig«, sie sind keinesfalls austauschbar. Nur männliche Pferde können hengstig sein und nur Stuten rossig.

»Hengstig« zu sein bedeutet, dass ein männliches Pferd, also ein Hengst oder ein Wallach, Hengstmanieren zeigt.
Hengstmanieren zeigt das Pferd vor allem, wenn es andere Pferde erblickt oder ihnen begegnet:
— übermäßige Aufregung und Unruhe beim Anblick anderer Pferde
— Imponiergehabe in Gegenwart anderer Pferde, z. B. »einen Kragen machen« (den Hals aufwölben), den Schweif aufstellen beim Laufen
— Drohgebärden gegenüber anderen Hengsten oder Wallachen, z. B. mit dem Vorderhuf aufstampfen, quieken
— »ausschachten«, also den Penis ausfahren
— lautstarkes Kontakt-aufnehmen-wollen mit anderen Pferden, vor allem Stuten; wiehern, prusten, blubbern

Auch Wallache können sehr hengstig sein, vor allem, wenn sie spät gelegt (=kastriert) worden sind oder unerkannt Klopphengst sind.

Eine »rossige« Stute ist paarungsbereit. Manche Stuten rossen, ohne dass man es ihnen ansieht, andere zeigen es überdeutlich, dass sie rossig sind.

Den Begriff Stutenmanieren analog zu den Hengstmanieren gibt es nicht. Dafür rossen Stuten, aber Hengste hengsten nicht. Die Zeit, in der die Stute paarungsbereit ist, nennt man Rosse.

Anzeichen dafür, dass die Stute rossig ist, sind:
— sie »blitzt«: hebt ihren Schweif und zuckt kurz mit den Schamlippen
— sie uriniert häufig
— sie reagiert empfindlicher auf Berührung, ist kitzlig oder genießt das Gekraultwerden mehr als sonst

Bei anderen Nutztierarten sind die Begriffe genau andersherum als bei den Pferden (wo der Hengst hengstig ist und nicht die Stute):

  • Schaf und Ziege sind bockig
  • die Kuh ist bullig oder stierig

Lustig finde ich das weitere Fachvokabular zur Paarungsbereitschaft bzw. Brunft der Tiere. Es beschreibt oft sehr genau das Verhalten, das das Tier zeigt.

  • Hündin: läufig
  • Katze: rollig
  • Schwein: rauschig

Was bedeutet „sire“?

Sire hat mehrere Bedeutungen. In einem Satz wie

Seattle Slew, sire: Bold Reasoning, dam: My Charmer (by Poker)

bedeutet es Vater (dam bedeutet Mutter, by bedeutet von). In einem Satz wie diesem aus der ⇒ Racing Post:

Sadler’s Wells: top-class 8-12f runner, exceptional sire, frequently gets top-class 2yos from summer onwards at 7f+

bedeutet es Deckhengst, Zuchthengst, Beschäler. Als Verb bedeutet es zeugen, zum Beispiel in diesem Satz aus der ⇒ New York Times:

To all those who think the winner of the Kentucky Derby in 2096 might be sired by a currently prized stallion like Mr. Prospector or Seattle Slew, The Jockey Club offers one word: Whoa.

Außerdem gibt es noch die Bedeutung von „Sire“ als Anrede des Königs, siehe ⇒ Wikipedia: Sire.

Probierhengst

Meine letzte Notiz, den Film „Dreamer – Ein Traum wird wahr“ betreffend. Und dabei muss ich gestehen, dass ich nicht auf den englischen Original-Begriff komme. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass es auf deutsch Probierhengst und nicht Lockbunny heißt, wenn es darum geht, einen Hengst zu beschreiben, der die Stuten selbst nicht decken darf, sondern nur anzeigen soll, ob sie denn auch rossig sind (daran zu erkennen, dass er sie Weiterlesen