Sind Isländer Pferde oder Ponys?

Islandstute mit Fohlen - Foto von Ute Becker via Pixabay
Islandstute mit Fohlen: Pferd oder Pony? Oder beides? Foto von Ute Becker via Pixabay

Es gibt Islandpferdereiter, die empörte Leserbriefe schreiben, weil in einem Reisemagazin in einer Bildunterschrift »Islandpony« steht. Immer wieder hört man die vehement vorgetragene Meinung, Islandpferde seien keine Ponys, sondern Pferde! Mit Ausrufezeichen, als sei es eine Tatsache. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Meinung, und zwar um eine, für die es keine guten Argumente gibt.

Übersicht:
In diesem Artikel werden folgende Fragen beantwortet:

Vorausschicken möchte ich, dass ich selber Isländer reite. Im alltäglichen Sprachgebrauch sage ich meistens Isländer, öfter auch Islandpferd, manchmal Islandpony. In diesem Artikel benutze ich beide Wörter gleichberechtigt, um uns allen eine Schreibweise wie »Islandpferd/-pony« zu ersparen.

Woher kommt das Wort »Pony«?

Aus dem Englischen. Die Briten haben das Wort vermutlich in Anlehnung an das französische Wort »poulenet« für »Fohlen, Jungpferd« gebildet, um ein kleines Pferd zu bezeichnen. Der Begriff »pony« taucht im Englischen zum ersten Mal im Jahr 1659 auf. (Quelle: ➸ Merriam Webster)

Was ist ein Pony?

Es gibt keine verbindliche Definition von »Pony«. Ponys sind keine Art oder Gattung im biologischen Sinn. Es handelt sich um Pferde mit einer Vielzahl an Merkmalen, durch die sie sich von Großpferden  unterscheiden lassen. Verschiedene Institutionen, die mit Pferden zu tun haben — die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Zuchtverbände oder Versicherungen zum Beispiel — können den Begriff Pony selbst definieren.

Das wichtigste Merkmal ist die Größe. Wer sein Pony in Deutschland auf einem Turnier, das den Regeln der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) der FN unterliegt, starten lassen will, der/die muss für die Registrierung als Turnierpony eine Messbescheinigung der Landeskommission vorlegen. Tut man das nicht, gilt das Pony automatisch als Pferd.
Die FN unterscheidet Ponys noch mal nach Größen:

  • K-Pony: bis 127 cm Stockmaß
  • M-Pony: 128 bis 137 cm Stockmaß
  • G-Pony: 138 bis 148 cm Stockmaß (Quelle)

Ein weiteres Merkmal ist das Aussehen, also das Exterieur (Reitersprache) bzw. der Phänotyp (Biologensprache). Ponys haben in der Regel ein stabileres Gebäude (Reitersprache für »Körperbau«) als Pferde (Ausnahmen sind moderne Züchtungen wie das Deutsche Reitpony oder Modern American Shetland, die eher wie verkleinerte Reitpferde aussehen). In der Folge können sie auch in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr ziehen und tragen als ein Großpferd. Ihre Beine sind kürzer und kräftiger, Fell und Langhaar sind dichter und rauer, und sie sind leichtfuttriger als Pferde. Kurz, sie sind rundum robuster.

Grasendes Pony
Typisches Pony: kräftiger Körperbau, kurze Beine, geringe Größe, viel Langhaar ― Foto von Lee Travathan via Pixabay

Auch die Abstammung kann, unabhängig von der Größe, ein wichtiges Merkmal sein, z. B. für einen Zuchtverband. Ein Araber oder Morgan, der unter 148 cm Stockmaß hat, gilt dennoch als Pferd.

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Typisches Pferd: leicht gebaut, hochbeinig, feines Fell und Langhaar, groß ― Foto von Diana via Pixabay

Wir können also zusammenfassen: Ob ein Pferd als Pony gilt, hängt in erster Linie von seiner Größe ab, aber auch seinem Typ.

Sind Islandpferde Ponys?

Ja. Islandpferde zählen nach beiden Kriterien (Größe, Typ) zu den Ponys. Zwar gibt es vereinzelt Isländer, die über 1,48m Stockmaß haben, aber das ist eine Entwicklung erst aus jüngster Zeit. Vor allem aber sprechen die Exterieur-Merkmale für eine Einordnung als Pony.

Warum dann die Aufregung? Nun kann man sich fragen, woher die Weigerung kommt, sein Reittier als Pony zu bezeichnen. Sicher eine interessante sprachgeschichtliche Untersuchung… Mein Verdacht ist: Im Herkunftsland Island gibt es nur eine Pferderasse, die deswegen auch nicht namentlich abgegrenzt werden muss zu anderen Rassen (wie man es z. B. in Schottland mit Fell-Pony, Dales-Pony und Shetlandpony machen muss). Islandpferde in Island sind einfach »hestar«, Pferde. Und weil es eben auch keine schwereren oder kleineren Pferde gibt, gibt es auch kein einheimisches Wort für Kaltblut oder Pony.

Isländer (also zweibeinige Isländer), die ein bisschen Deutsch können, bezeichnen die Ponys von ihrer Insel also immer als »Pferd«. Was ja auch nicht falsch ist. Genauso kann man schließlich einen Foxterrier als Hund bezeichnen.

Wie ist es anschließend dazu gekommen, dass die Bezeichnung »Pony« für einen Isländer (einen vierbeinigen) anscheinend als abwertend empfunden wird und man sich so vehement dagegen wehren muss, dass man sogar sein Abonnement kündigt, wie im oben beschriebenen Fall? Darüber kann ich nur rätseln. Sind Ponys weniger wert? Ist man ein schlechterer Reiter, wenn man sich von einem Pony tragen lässt? Ist ein Pony weniger edel? Ist es peinlich, als Erwachsener ein Pony zu reiten?

Wenn es so wäre, wie ist es dann zu erklären, dass ausgerechnet die standesbewussten Engländer ihre teuren, edlen und hervorragend ausgebildeten Poloponys Ponys nennen, egal, wie groß sie sind? Und die Amerikaner sogar manchmal ihre Rennpferde, die doch die teuersten aller Pferde sind? Überhaupt Amerika, Heimat der Cowboys:

The word »pony« had nothing to do with the animal’s size, and in the Northwest practically every horse was called by this term.

Das Wort »Pony« hatte nichts mit der Größe des Tieres zu tun, und im Nordwesten [der USA] wurde praktisch jedes Pferd mit diesem Begriff bezeichnet. (meine Übersetzung; Quelle: Adams)

Interessant ist die Definition eines Ponys im ➸ Merriam Webster in diesem Kontext:

one of any of several breeds of very small stocky animals noted for their gentleness and endurance

»Gentleness and endurance«, also ein guter Charakter und Ausdauer, das sind positive Eigenschaften. Islandponys, Cowponys und Poloponys sind kleine, robuste und lauffreudige Pferde, die in Island, den USA bzw. England vor allem von großen Männern geritten werden. Die einen sind stolz auf ihre Ponys, die anderen sind Ponyreiter, die sich aber lieber Pferdereiter nennen.

Das englische Wort »pony« im Pferdekontext hat noch weitere Bedeutungen:

  • im Galopprennsport: Das Pferd, von dem aus ein Handpferd zum Start geführt wird; wobei dessen Größe keine Rolle spielt. Derjenige, der diese Tätigkeit ausübt, ist der »pony rider«. Analog dazu heißt der Handpferde-Führvorgang »ponying«. (➸ Quelle)
Führpferd mit Rennpferd als Handpferd
Vorne Führpferd (»pony«), hinten das Rennpferd als Handpferd ― Foto von Jennifer C. (CC BY-SA 2)
  • im Galopprennsport: eine Wette mit einem Einsatz von £ 25 (Quelle: Hammond)

Quellen:

  1. Adams, Ramon F.: Cowboy Lingo. Houghton Mifflin Company 1936, 1964, 2000.
  2. FN (Hrg.): LPO. Leistungs-Prüfungs-Ordnung 2018. FN-Verlag 2018.
  3. Hammond, Gerald: The Language of Horse Racing. Fitzroy Dearborn Publishers 1992.
  4. Merriam Webster: https://www.merriam-webster.com/dictionary/pony
  5. Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Ponying

 

Meine Lieblings-Suchanfragen

Nicht der Brunnen der Weisheit, aber das ist ja auch gar nicht schlimm ― Foto von Alexa via Pixabay

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Ich freue mich über viele weitere Anfragen! Und entgegen dem Eindruck, der hier entstehen mag: Es gibt keine dummen Fragen ― nur dumme Antworten.

Lustige Pferdewörter

Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay
Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay

Hier sammele ich mal ein paar Wörter, die bei pferdeunkundigen Laien Rätseln oder Schmunzeln hervorrufen, obwohl sie für Pferdeleute vollkommen normal klingen. Manche klingen so normal, dass man zweimal hinschauen oder sie mal laut lesen muss, um sich etwas nicht-pferdiges darunter vorzustellen …

  • Piephacke
  • Trachtenzwang
  • Kistenritt
  • Heucobs (so eine Art Stallpolizei?)
  • Fesselträger
  • Fesselstand
  • Sattelbaum
  • Kronentritt
  • Brustblatt
  • Blendkappe
  • Scherenpferd
  • Kreuzverschlag
  • Galopprolle
  • Nasenbremse
  • Schweißmesser

Und: Während der Gabelstich eine Verletzung durch eine Mistgabel ist, ist der Hahnentritt keine Verletzung durch einen Hahn.

„roll“ und „cast“

Es war das Geräusch eines in Panik ausschlagenden Pferdes. Ich dachte sofort, eines der Pferde wäre vielleicht umgefallen – wäre in seiner Box herumgerollt und hätte sich mit den Beinen verkeilt.

(Quelle: Ginny Elliot, Schnell wie der Wind) Das Verb roll – wieder ein Fall, bei dem man sofort glaubt, zu wissen, was gemeint ist. Die Übersetzung dafür ist aber im Pferdebereich nicht rollen, sondern sich wälzen. Pferde haben außerdem nicht die Eigenschaft, aus heiterem Himmel einfach umzufallen. Was sie allerdings tun können, ist sich in der Box zu wälzen, und dabei so nahe an der Wand zu landen, dass sie nicht mehr aufstehen können. Diesen Zustand bezeichnet der Engländer als cast. Im Deutschen gibt es ein Verb dazu: festliegen. Um es jetzt mal Denglisch auszudrücken, a horse that has become cast, liegt fest. Besser wäre gewesen:

Es war das Geräusch eines in Panik ausschlagenden Pferdes. Ich dachte sofort, eines der Pferde läge vielleicht fest – hätte sich in seiner Box gewälzt und sich dabei mit den Beinen verkeilt.

Und auch wenn Kinder diese Fachwörter vorher nicht kennen – sie reimen sich den Sachverhalt schon zusammen, und wenn sie den Begriff beim nächsten Mal lesen, dann verstehen sie ihn.

Zumindest umgangssprachlich gibt es im Englischen den Begriff to uncast – das ist, wenn man ein festliegendes Pferd umdreht, damit es wieder aufstehen kann: siehe ⇒ WikiHow To Uncast A Horse.

equine

Wie übersetzt man equine als Nomen?

Equide. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat vor einiger Zeit den früheren ⇒ Pferdepass in Equidenpass umbenannt (PDF), weil er nämlich auch für Esel, Maultiere und Maulesel gilt. (Ob für Zebras, weiß ich nicht.)

Ob man das schön findet oder ob es einem leicht über die Lippen geht, mag dahingestellt bleiben. Umgangssprachlich ist es sicher oft noch der alte „Pferdepass“. Aber das Wort „Equiden“ gebrauchen nicht nur Tierärzte und Biologen. Es ist ja auch nichts falsch dran. Nur holprig klingt’s.

Wenn man sich also nicht sicher ist, ob es um Pferde, Esel, Maultiere oder Maulesel geht, würde ich durchaus zu dem Begriff raten. Ansonsten ist „Pferde…“ die bessere Wahl.

Wie spricht man equine aus?

Ganz ähnlich wie „Eckwein“. Siehe auch ⇒ howjsay: equine. Bei vielen Amerikanern wird das Eck aber zum Ick: Sie sagen dann „Iquain“ (Betonung wie bei den Briten auf der ersten Silbe).

„silks“ ist keine Seidenjacke

Foto von Agencja Interaktywna Artur Czyżewski via Pixabay
Rennfarbe: gelb, schwarze Kappe – Foto von Agencja Interaktywna Artur Czyżewski via Pixabay

Ein schönes kleines Beispiel aus dem Film „Dreamer – Ein Traum wird wahr“. Da ist in der deutschen Übersetzung von „Seidenjacke“ die Rede. Zu sehen ist ein  Rennpferdebesitzer, der dem Jockey einen Blouson reicht. Dabei versichert er ihm, es handele sich um die traditionsreiche Seidenjacke seines Rennstalls. Die silks eines Rennstalls sind aber nicht aus Seide, sondern aus irgendeiner Weiterlesen

Was ist eigentlich ein Mohrenkopfschimmel?

Ein schönes Wort, aber was hat man sich darunter vorzustellen?

mohrenkopfschimmel
Mohrenkopfschimmel. Foto: Seth Zeigler (Creative Commons: Attribution, Share Alike)

Das erste, was man wissen muss, ist: streng genommen, nämlich genetisch betrachtet, ist ein Mohrenkopfschimmel überhaupt kein Schimmel. Es handelt sich um ein Pferd, das am Körper sehr helles bis weißes Fell hat, dessen Kopf und Beine aber dunkel bis schwarz sind. Hierbei unterscheidet es sich schon von einem richtigen Schimmel, dessen Kopf und Beine zwar vielleicht grau sind, aber keinesfalls schwarz. Weiterlesen

„grey“ ist nicht „grau“

schimmel
Ein Schimmel (und am Rand ein Fuchs) mit Knotenhalfter

grey ist nicht „grau“, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit Pferden. Die Pferdefarbe, die auf englisch grey heißt, heißt auf deutsch „Schimmel“. a grey horse ist demnach nicht „ein graues Pferd“, sondern „ein Schimmel“, a grey mare „eine Schimmelstute“, a grey gelding „ein Schimmelwallach“.

Übrigens werden auch rein weiße Schimmel im Englischen als grey bezeichnet. Ein Hinweis darauf, dass es sich bei Schimmeln nicht um weiße, sondern um vorzeitig ergraute Pferde handelt. Weshalb sich die Frage nach dem Schimmelfohlen erübrigt.

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