antraben, eintölten, aufgaloppieren

Foto von Ralph Fierz via Pixabay
Startnummer 4 ist im Begriff aufzugaloppieren – Foto von Ralph Fierz via Pixabay

Das Schöne an Sprache ist, dass man sie immer wieder verändern kann. Wenn man etwas beschreiben will, kann man einfach ein neues Wort dafür erfinden. Wenn die anderen es verstehen, wird es vielleicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen.

In der deutschen Sprache werden neue Wörter am häufigsten durch Komposition gebildet, also durch Zusammensetzung aus bereits bekannten Wörtern oder Wortteilen. Durch Komposition können sehr lange Wörter, wie Stutenleistungsprüfung oder Vielseitigkeitsreiter, entstehen — hier habe ich ein paar besonders lange Wörter aus dem Pferdebereich aufgelistet. Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten zur Wortbildung, zum Beispiel Derivation, also Ableitung. An dieser Stelle möchte ich speziell Weiterlesen

Kleine Schimmelkunde (3)

Werden Schimmel wirklich nie weiß geboren?

Nein, Schimmel nicht. Es gibt aber weiß geborene Pferde. „Dominant white“ nennt sich das genetische Phänomen dahinter. Ein prominentes Exemplar ist die japanische Vollblutstute Yukichan:

Weißgeborene Vollblutstute Foto von Bunt&Run via Wikipedia
Weißgeborene Vollblutstute Yukichan – Foto von Bunt&Run via Wikipedia – Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Es muss ja nicht gleich Rollkur sein

Vor der Senkrechten - Foto via Pixabay

Die umgangssprachlich als “Rollkur” und — vor allem von Tätern — verharmlosend als “Hyperflexion” bezeichnete Zwangshaltung beim Reiten von Dressurpferden ist auch für den Laien in der Regel gut zu erkennen: Der Reiter hält den Kopf des Pferdes mithilfe der Zügel in einer tiefen, gleichzeitig aber dem Bug nahen Position, wobei der Hals extrem gerundet wird.

Manchmal zeigt das Pferd deutliche Anzeichen von Unbehagen: es sperrt sein Maul auf, versucht dem Druck durch Kauen oder Verschieben des Unterkiefers zu entkommen, rollt mit den Augen, drückt seinen Grimm durch die Ohren aus, schlägt mit dem Schweif, schwitzt übermäßig. Kurz gesagt: Jeder Depp sieht das. Sofern er es sehen will. Viele Pferde aber resignieren in dieser Position, was es für den Laien schwieriger macht, das Tierschutzwidrige an dieser Zwangshaltung zu erkennen. Im schlimmsten Fall dient das geäußerte Unbehagen des Pferdes sogar als Rechtfertigung seitens des Reiters. Das Pferd habe schließlich “Rittigkeitsprobleme”. Nein, das Pferd hat ein Tierschutzproblem, und der Reiter das Problem, nicht anständig zu reiten.

“Also wie soll es denn nun sein?”, fragt der Laie. Da gibt es kein so eindeutiges Bild mehr.  Die Bandbreite der “richtigen” Kopfhaltung ist groß und auch abhängig von der jeweiligen Sparte der Reiterei: Die größten Unterschiede finden sich wahrscheinlich zwischen Gangpferdereiten, Westernreiten und Dressurreiten. Bezüglich Dressurreitens steht in den Richtlinien für Fahren und Reiten, Band 1:

Die dabei vom Pferd geforderte Haltung wird sich, je nach dessen Ausbildungsgrad sowie nach Gangart und Tempo, verschieden gestalten. In allen Stadien muss die Stirn-Nasenlinie des Pferdes etwas vor oder höchstens an der Senkrechten sein, wobei das Genick der höchste Punkt bleibt. (Ausnahme: Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen und Dehnungshaltung beim jungen Pferd.)

VOR DER SENKRECHTEN

Vor der Senkrechten - Foto via Pixabay
Entspannte Haltung, das Pferd trägt den Kopf “vor der Senkrechten”. Das Genick (die Stelle hinter dem Genickriemen) ist klar der höchste Punkt des Pferdes (Ohren ausgenommen) — Foto via Pixabay
Foto von Patricia van den Berg via Pixabay
Hier sieht man das in der Bewegung: Nase ganz leicht vor der Senkrechten, das Genick ist der höchste Punkt — Schönes Foto von Patricia van den Berg via Pixabay

IN DER SENKRECHTEN

Foto von Ruth Weitz via Pixabay
Exakt in der Senkrechten — Foto von Ruth Weitz via Pixabay

HINTER DER SENKRECHTEN

Manchmal ist der Kopf minimal hinter der Senkrechten, das Genick bleibt aber der höchste Punkt. Es kann sich um eine Momentaufnahme handeln, wenn der Reiter das bemerkt und korrigiert.

Hinter der Senkrechten - Foto via Pixabay
Ganz knapp “hinter der Senkrechten” bei lockerem Zügel. Das Pferd wird hier nicht vom Reiter in diese Haltung gezwungen, sondern “verkriecht sich hinter dem Zügel”, allerdings nur minimal — Foto via Pixabay
Foto von Brigette Barton Siddiqui via Pixabay
Manchmal ist die Senkrechte nicht ganz einfach zu erkennen, z. B. wenn das Pferd wie dieser Araber ein konkaves Profil hat. Die Haltung des Pferdes ist jedenfalls schön — Foto von Brigette Barton Siddiqui via Pixabay

FALSCHER KNICK

Foto von Patrick Gantz via Pixabay
Das Pferd geht “hinter der Senkrechten”. Deutlich zu sehen: Der höchste Punkt ist nicht mehr das Genick, sondern einer der dahinter liegenden Halswirbel (zwischen Genick und der gebrannten 9). Das nennt man den “falschen Knick” — Foto von Patrick Gantz via Pixabay
Foto von Stefanie Drenkow-Lolies
Und hier noch einmal in Bewegung. Das Profil des Pferdes ist deutlich hinter der Senkrechten und der “falsche Knick” ist ganz klar zu erkennen — Foto von Stefanie Drenkow-Lolies

Um Missverständnissen vorzubeugen: Hier ist nirgendwo “Hyperflexion” abgebildet. Keiner der Reiter begeht auf den Fotos hier eine Tierquälerei. Die beiden unteren Reiter brauchen Anleitung und Feedback, damit sie erkennen, dass sie das Pferd in einer falschen, weil auf Dauer schädlichen, Haltung reiten.

Quellenangabe: Richtlinien für Fahren und Reiten, Band 1, 28. Auflage 2009, Warendorf: FN-Verl. der Dt. Reiterlichen Vereinigung.

D’Artagnans Pferd

Bild via Pixabay

Ich bin eine begeisterte Anhängerin von ⇒ Bookcrossing, und bekam dadurch kürzlich eine schöne, undatierte Ausgabe der Drei Musketiere in die Hände, neu bearbeitet von Wilhelm Cremer, erschienen im Verlag der Schillerbuchhandlung, Berlin. Schnell wurde mir das Lesen der Fraktur zu mühselig. Also besorgte ich mir die kostenlose Kindle-Version, übersetzt von August Zoller.

Besonders gut gefällt mir die Beschreibung von d’Artagnans Pferd:

(…) ein Klepper aus dem Bearn, zwölf bis vierzehn Jahre alt, von gelber Farbe, ohne Haare am Schweif, aber nicht ohne Fesselgeschwüre an den Beinen, ein Thier, das, während es den Kopf im Gehen thiefer hielt, als die Kniee, was die Anwendung des Sprungriemens überflüssig machte, muthig noch seine acht Meilen im Tage zurücklegte. Unglücklicherweise waren die geheimen Vorzüge dieses Pferdes so gut unter seiner seltsamen Haut und unter seinem fehlerhaften Gange versteckt, daß in einer Zeit, wo sich Jedermann auf Pferde verstand, die Erscheinung der genannten Mähre (…) eine allgemeine Sensation hervorbrachte (…)

Diese wunderschöne Beschreibung von d’Artagnans „orangefarbigem Pferd“, seiner „zweiten Rozinante“, möchte ich zum Anlass nehmen, ein bisschen über das Pferd zu spekulieren, genauso wie Weiterlesen

The sire’s lady

Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
Stute mit Fohlen – Foto von Bhakti Iyata via Pixabay

Der Deckhengst und Vater heißt also sire, aber wie heißt die Mutterstute?

Hier ein kurzer Überblick über die Begriffe im Galopprennsport:

sire konkret: Vater, allgemein: Deckhengst, Beschäler
dam konkret: Mutter, allgemein: Mutterstute, Zuchtstute
grand sire  Vater des Vaters
grand dam  zweite Mutter
dam’s sire
damsire
 Vater der Mutter, Muttervater
broodmare sire  Vater von Müttern (ja, das klingt seltsam, aber so nennt man es nun mal)
colt  Hengst, der kein Deckhengst ist, vierjährig oder jünger
gelding  Wallach
stallion  Hengst, im Rennsport konkret ein Deckhengst
entire  Hengst, der noch Rennen läuft, älter als vier Jahre, wird vor allem in der Schriftsprache verwendet
filly  Stute vierjährig oder jünger
mare  Stute älter als vier Jahre
juvenile  die jüngste Generation Rennpferd: bei Flachrennen zweijährig, bei Hindernisrennen drei- oder vierjährig
maiden  siegloses Pferd

Referenz: ⇒ Hier eine Übersicht auf englisch

Kleine Schimmelkunde (2)

Foto von M W via Pixabay
Fliegenschimmel – Foto von M W via Pixabay

Was ist eigentlich ein Fliegenschimmel?

Ein Fliegenschimmel ist ein „ganz normaler“ Schimmel, also ein dunkel geborenes Fohlen, das mit der Zeit ausschimmelt, und schließlich ganz weiß wird, nur dass ein Fliegenschimmel Zeit seines Lebens über den ganzen Körper verteilt klitzekleine farbige Sprenkel hat. Sie können fuchsfarben („rot“) oder dunkler sein.

Die Tupfen eines Tigerschecken sind deutlich größer. Wenn der Tigerschecke gleichzeitig ein Schimmel ist, also ein als Tigerscheck geborenes Fohlen den Schimmelfaktor hat, werden diese Tupfen immer heller und sind irgendwann im weißen Fell nicht mehr zu sehen.

Was ist ein Reitmeister?

Foto von Tesa Robbins via Pixabay
Springreiten – Foto von Tesa Robbins via Pixabay

Reitmeister ist eine Auszeichnung, eine Art Ehrentitel, der verliehen wird. Man muss ihn sich also verdienen und kann sich nicht darum bewerben oder dafür prüfen lassen. Es gibt analog dazu auch den Voltigiermeister und die Fahrmeisterin. Früher (vor 1989) ging das noch, dass man eine Prüfung zur Reitmeisterin ablegen konnte und den Titel dann erhielt, wenn man Weiterlesen

Zahlen im Galopprennsport

Foto von Lizardboy via Pixabay
Galopprennen – Foto von Lizardboy via Pixabay

Beim Anschauen von alten Rennfilmen mit englischem Kommentar ist mir aufgefallen, dass es relativ viele Ausdrücke in Verbindung mit Zahlen gibt, die sich Neulingen vielleicht nicht so leicht erschließen. Einige davon notiere ich hier:

  • field of five – ein fünf Pferde umfassendes Starterfeld, oder einfacher ausgedrückt: die fünf Starter. Mehr zum Begriff field
  • third by two – Dritter bzw. an dritter Stelle liegend, zwei Längen zurück hinter dem Zweiten: Storm Cat on the lead from Danzig Connection, Mogambo third by two
  • four wide – in vierter Spur, also drei Pferdebreiten (nicht -längen!) von den inneren Rails entfernt, hier sehr schön zu sehen: ⇒ Now Zenyatta is kicked into gear, she’s decided to go four wide (Minute 4:40 im Video)
  • six lengths off the lead – sechs Längen hinter der Spitze, mit sechs Längen Rückstand auf den Pacemaker/das Pferd an der Spitze/den Führenden/den Frontrunner
  • to lead by two – mit zwei Längen Vorsprung führen
  • four from home – in Hindernisrennen: Noch vier Hindernisse zu nehmen, vier Sprünge vor dem Ziel
  • seven straight, seven in a row – sieben Siege in Serie: Arazi has now won seven in a row, Black Caviar is now 19 straight
  • two to go – meist sind furlongs gemeint, d. h. 200 Meter. Just over two to go = gut vierhundert Meter noch zu galoppieren (zu hören und sehen im Video über ⇒ Nashwan bei 0:36)
  • clear by two – im selben Film (4:32) „Here comes Nashwan on the outside with a furlong and a half to go, and Nashwan goes on, and the crowd rise to a champion, it’s Nashwan, clear by two“: mit zwei Längen Vorsprung (to be clear heißt soviel wie vorbei sein am Gegner, die Nase in Front haben)
  • ten for ten – zehn Starts, zehn Siege: „Allicansayiswow has lost the lead to Zenyatta who runs away and is now a perfect ten for ten“
  • the quarter in twenty-three and one – eine Viertelmeile in 23,1 Sekunden (Minute 4:58 im ⇒ Video von Arazis Breeders‘-Cup-Sieg)
  • six to one from seven to one – „Hector Protector is now six to one from seven to one“, das versteht man wohl besser, wenn man es geschrieben sieht (in ⇒ diesem Video über das Epsom Derby 1990 in Minute 3:29). Was es bedeutet: Die Quote für einen Sieg von Hector Protector beträgt jetzt 6:1, nachdem sie zunächst 7:1 betragen hatte (opened at sevens)
  • at eight to one – „Generous at eight to one“: Generous steht (bei einer Quote von) 8:1. Vorsicht, das ist nicht dasselbe wie 80:10
  • to run off a mark of 139 – mit einer Marke von 139 (Pfund) an den Start gehen. Das englische Handicap wird in Pfund berechnet, das deutsche in Kilogramm.

 

Was ist Gespannreitsport?

In diesem ⇒ Artikel der Badischen Zeitung kann man „Gespannreitsport“ als Untertitel der Kategorie „Reitsport“ lesen. Was ist das? (Quelle)

Vielleicht ist diese Sportart gemeint?

Foto von bergadder via Pixabay
Gespannreiten, die neue Trendsportart?

Nein, der Begriff ist einfach Unfug, wahrscheinlich in guter Absicht oder als Flüchtigkeitsfehler entstanden. Ein Gespann wird ja von Pferden gezogen, man reitet nicht darauf (außer: siehe oben). „Fahrsport“ wäre das richtige Wort gewesen, aber das kann man leicht mit „Motorsport“ verwechseln. „Gespannfahren“ wäre auch in Ordnung gewesen, aber auch das bringen viele Menschen mit Auto und Anhänger in Verbindung. „Kutschsport“ ist zwar eindeutig, aber ein Zungenbrecher. Ein paar Zeilen unter dem unglücklichen „Gespannreitsport“ ist dann auch korrekterweise von „Gespannfahrsport“ die Rede. Am einfachsten wäre es gewesen, die Rubriken wie folgt zu unterteilen:

PFERDESPORT als Oberbegriff

  • Fahrsport
  • Reitsport
    • Dressur
    • Springen
    • Vielseitigkeit
  • Voltigieren
  • Rennsport (oder: Pferderennen)
    • Trabrennen
    • Galopprennen
  • …………. etc.

Aber man muss der Badischen Zeitung zugute halten, dass sie einen Menüpunkt „Fehler melden“ hat, was ich sehr sympathisch finde, weil jeder Fehler macht. Die probiere ich gleich mal aus :)

Quellennachweis: ⇒ Ewald Meier aus Meißenheim: Das erarbeitete Glück (veröffentlicht am Sa, 30. März 2013 auf badische-zeitung.de)