Mausfalbe
Ein typischer Mausfalbe mit dunklem Gesicht und zweifarbiger Mähne

Beim Lesen der Hrafnkels saga freysgoða bin ich über die Beschreibung des Lieblingshengstes des Titelhelden gestolpert. Freyfaxi wird als brúnmóálóttur beschrieben. Das wäre eigentlich ein Rappmausfalbe (brúnn = Rappe, móálóttur = Mausfalbe, Graufalbe), ein doppelt gemoppelter Begriff. Der Mausfalbe ist nämlich genetisch betrachtet ein Rappe, der am Körper mausgrau (und an der Außenseite der Mähne sogar weißlich) aufgehellt ist, weil er einen sogenannten „dun factor“ mitvererbt bekommen hat. Und der wirkt sich aufhellend auf die Grundfarbe aus.

Wahrscheinlich hat der Autor der Hrafnkels saga sich wenig mit der Vererbung von Pferdefarben beschäftigt. Vielleicht hat er auch von Pferden keine große Ahnung gehabt. Er ist nämlich einer der ganz wenigen, die diesen Farbbegriff verwenden. Ich habe noch keine weitere Erwähnung davon gefunden (was natürlich überhaupt nichts heißt; die Abwesenheit von etwas ist viel schwerer zu belegen als die Anwesenheit).

Vielleicht war aber auch dieser Freyfaxi so etwas besonderes, dass seine Farbe wirklich ungewöhnlich war und der Autor deswegen zu dieser ungewöhnlichen Beschreibung griff. Vorstellen muss man sich das Pferd jedenfalls (wie auf dem Bild oben) als grau bis dunkelgrau, gleichmäßig gefärbt (anders als ein Apfelschimmel oder ein Rappwindfarbener) mit einer auffälligen, wahrscheinlich hellen Mähne (der Name setzt sich grob vereinfacht zusammen aus dem Namen des Gottes „Freyr“ und „Mähne“). Vererben konnte sich Freyfaxi nicht sehr lang, da er von Hrafnkells Widersachern von einem Felsen gestoßen wurde.

In der Übersetzung von Andreas Vollmer (erhältlich als E-Book beim ⇒ Fischer-Verlag) wird die Farbe einfach mit „Falbe“ angegeben. Das ist nicht falsch, aber leider ungenau. Gerade Isländisch unterscheidet sehr genau zwischen den verschiedenen Falbvarianten (je nach Grundfarbe). Der Hinweis, dass es sich um ein graues Pferd handelte, wäre angebracht gewesen, zumal es Untersuchungen gibt, die sich mit der Verwendung von Farben in der altnordischen Literatur beschäftigen, und hier in der Übersetzung eine Information verloren geht, die möglicherweise Symbolgehalt hat. Wer sich dafür interessiert, dem sei als Lektüre empfohlen: ⇒ The Color Grey in Old Norse-Icelandic Literature, von Kirsten Wolf in „The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 108, No. 2 (APRIL 2009)“

goð

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