„Hat dein Pferd auch einen Nachnamen?“, wurde ich neulich gefragt. Erst war ich verwundert, dann kapierte ich es. Es ist ein Islandpferd, und deswegen hat es nach seinem eigentlichen Namen noch eine Herkunftsbezeichnung. Álfasteinn frá Selfossi zum Beispiel. Frá Selfossi bedeutet „aus Selfoss“. Früher waren diese Zusätze vor allem wichtig, weil die Isländer ihren Pferden oft so langweilige Standardnamen gaben, dass man sie schlecht auseinanderhalten konnte (einfach mal bei ⇒ Stormhestar nach „Brúnn“ suchen …). Heute sind sie wichtig, weil bestimmte Zuchtstätten sich einen unheimlich guten Namen aufgebaut haben.

Damit nun nicht jeder behaupten kann, sein Pferd stamme aus einem berühmten Gestüt (frá Hofsstaðaseli, frá Kirkjubæ, frá Kolkuósi bspw.), muss man diese Züchternamen registrieren, und nur der Inhaber kann sie verwenden. Man kann sein Pferd nicht einfach in „frá Hindisvík“ umbenennen, wenn es in Wirklichkeit „frá Ytrustu-Bykkjustöðum 2A“ ist, oder vielleicht sogar nur „von hinterm Haus“.

Ein ähnliches Konzept gibt es z. B. auch bei Warmblütern. Nur werden dort statt Nachnamen Kürzel verwendet, die dem Pferdenamen voran- oder nachgestellt gestellt werden (Präfix oder Suffix). Beispielsweise der Trakehner E.H. Angard und seine Tochter Olivia TSF. Außerdem können Sportpferde gesponsert werden und dann den Namen des Sponsors tragen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Noltes Küchengirl.

Ganz anders ist die Lage bei Englischen Vollblütern. Die tragen zwar ab und zu ein paar Buchstaben in Klammern hinter dem Namen, aber die sind kein Züchterkürzel, sondern das Geburtsland des Pferdes. Das spielt eine Rolle bei Galoppern mit gleichen Namen. Denn die muss man ja auseinanderhalten können, nicht nur, weil sie gegeneinander laufen könnten, nein, vor allem, weil die Vollblutzucht eine Reinzucht ist und das Zuchtbuch entsprechend akkurat geführt werden muss. Deswegen ist es wichtig, zwischen Chichicastenango [FR] und dem zwei Jahre älteren Chichicastenango [ITY] zu unterscheiden, weil der eine richtig gut war und der andere eher schlecht. Und dann ist das Geburtsland auch noch wichtig für die Inländergeltung, aber um das fehlerfrei erklären zu können, müsste ich in die Rennordnung schauen und ehrlich gesagt, möchte ich lieber ein wenig auf ⇒ siegerlisten.de herumklicken und schauen, was Chichicastenango [FR] so alles gewonnen hat.

Bei Fragen wie immer unten das Kommentarfeld nutzen!

Ein Gedanke zu „Pferde mit Vornamen und Nachnamen

  1. Bei den Isländern und ihren Pferden war es ja wie bei den griechischen Philosophen. Ohne Angabe der Geburtsstadt hinter dem Namen (bspw. bei Thales von Milet) wusste niemand wer gemeint ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.