Was ist ein Schabrackenschimmel?

Hierauf habe ich zunächst die Antwort: Ein Wort, das als ⇒ Suchbegriff extrem wenige Treffer bei Google erzielt :)

Spaß beiseite: Es ist keine Pferdefarbe, von der ich je gehört habe. Das wiederum bedeutet erst einmal gar nichts. Denn nur weil man (noch) keinen Beleg für die Existenz von etwas hat, heißt es ja nicht, dass es nicht existiert.

Vermutlich handelt es sich um ein Missverständnis, und das eigentlich gemeinte Wort ist Schabrackentiger (häufiger) oder Schabrackenschecke (seltener).

Schabrackentiger
Die Mutterstute ist kein Schabrackenschimmel, sondern ein Schabrackentiger – Foto von Penstones via Pixabay

Die einzige Fundstelle im Internet für das Wort “Schabrackenschimmel” ist in einem Verzeichnis der ⇒ Bayerischen Staatsbibliothek. Wenn ich das Nachlassverzeichnis des Hans-Wilhelm Smolik richtig interpretiere, hatte die Schriftstellerin Else Soffel-Rutz ihm ein Originalmanuskript mit dem Titel “Der Schabrackenschimmel – Geschichte eines edlen Zirkus-Pferdes” zugeschickt. Dabei können wir nur spekulieren, ob damit die Farbe des Pferdes gemeint war, oder es sich um eine literarische Schöpfung handelt. Hans-Wilhelm Smolik selbst (der aber wie gesagt nicht der Schöpfer dieses Manuskripts war, wenn ich das Verzeichnis richtig verstehe) hat seinen Büchern über die Natur oft solche “sprechenden” Titel gegeben:

  • Knorzel, der Baumstumpf
  • Rauschebart, die Eiche
  • Grimback, der Hamster
  • Kribbelfix, die Waldameise
  • und mein Favorit: Näpfli, das rote Blutkörperchen

Was mich nun aber wirklich fasziniert hat, ist das Wort “Schabracke” selbst. Im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Friedrich Kluge (10. Auflage 1924, Walther de Gruyter & Co) stehen dazu auch die Schreibweisen

  • Schaberacke (1669)
  • Tschabraken (1671)
  • Schabragge (1700)
  • Schabrack (1741)

Als Ursprung des Wortes wird das türkische čaprâk für ‘Satteldecke’ angegeben. Eine Entlehnung also; und das Lehnwort ist ein wichtiger Hinweis darauf, wo diese bestimmte Form der Satteldecke vermutlich herstammt. Denn meistens wandern die Wörter zusammen mit dem Phänomen, das sie bezeichnen, durch die Welt (siehe “tölten”, das mit den Islandpferden aus Island gekommen ist).

3 Gedanken zu “Kleine Schimmelkunde (4)

  1. Wow, die sind in der Tat eindrucksvoll. Und ich würde jetzt natürlich gern eine Erklärung parat haben, oder wenigstens in meiner Bibliothek die vierhundert Bücher aus dem Zeitraum durchblättern können, aber leider habe ich weder Erklärung noch so viele Bücher aus der Zeit… Mein ältestes Buch ist eine frühe Ausgabe von Die Beurtheilung des Pferdes nach seiner äußeren Form (ohne Datum).
    Als erste Vermutung, der man nachforschen könnte, hätte ich Heeresdienstvorschriften. Bei einem anderen schönen, eingewanderten Pferdewort, nämlich »Woilach«, sieht man auf dem Graphen eine Spitze um 1912: https://books.google.com/ngrams/graph?content=Woilach&year_start=1750&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2CWoilach%3B%2Cc0 In dem Jahr ist eine wichtige Heeresdienstvorschrift erschienen. Ob das Wort darin vorkommt, kann ich aber nicht sagen – ich habe sie nicht vorliegen! Quellenforschung ist angesagt :)

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