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Startnummer 4 ist im Begriff aufzugaloppieren – Foto von Ralph Fierz via Pixabay

Das Schöne an Sprache ist, dass man sie immer wieder verändern kann. Wenn man etwas beschreiben will, kann man einfach ein neues Wort dafür erfinden. Wenn die anderen es verstehen, wird es vielleicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen.

In der deutschen Sprache werden neue Wörter am häufigsten durch Komposition gebildet, also durch Zusammensetzung aus bereits bekannten Wörtern oder Wortteilen. Durch Komposition können sehr lange Wörter, wie Stutenleistungsprüfung oder Vielseitigkeitsreiter, entstehen — hier habe ich ein paar besonders lange Wörter aus dem Pferdebereich aufgelistet. Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten zur Wortbildung, zum Beispiel Derivation, also Ableitung. An dieser Stelle möchte ich speziell etwas zur Präfigierung schreiben. Dabei wird ein Präfix (eine oder zwei Silben) vor ein anderes Wort gestellt, wodurch sich die Bedeutung ändert, verschiebt oder konkretisiert.

Traben, tölten, galoppieren sind Verben, die die Bewegung des Pferdes, genauer gesagt seine Gangart, beschreiben. Ein Pferd, das trabt, bewegt seine Beine im Zweitakt. Ein töltendes Pferd bewegt jedes Bein einzeln, es ergibt sich ein ganz gleichmäßiger Viertakt. Der Galopp ist eine gesprungene Gangart im Dreitakt. Etwas anders ist es mit den folgenden präfigierten Verben:

  • antraben bedeutet, in die Gangart Trab zu wechseln, und zwar aus der langsamsten Gangart des Pferdes, nämlich Schritt. Antraben impliziert also, dass das Pferd schneller wird. “Bei A auf dem Zirkel geritten, bei X antraben” könnte eine Ansage der Reitlehrerin sein.
  • eintölten bedeutet, ein Pferd im Tölt auszubilden. Das geht nicht mit jedem Pferd — es muss die entsprechenden Erbanlagen haben. “Katla bewegt sich in Gelände und Bahn sicher in allen Grundgangarten. Sie wird zur Zeit eingetöltet”, könnte in einer Verkaufsanzeige für ein Islandpferd stehen. Die Stute kann zur Zeit also nur in drei Gangarten geritten werden, wird aber bald eine Viergängerin sein.
  • aufgaloppieren bedeutet, in den Galopp zu fallen, aber im Unterschied zum Angaloppieren ist das Aufgaloppieren nicht gewünscht. Das Pferd galoppiert vor allem dann auf, wenn es mit dem Tempo in der Gangart, die es eigentlich laufen soll, überfordert ist. Dann “rettet” es sich in den Galopp, eine von Natur aus schnellere Gangart. Das ist vor allem bei Trabrennen und Passrennen der Fall. Dort ist der Galopp über eine weitere Strecke ein Grund zur Disqualifikation. Ein Pferd, das schneller tölten soll (oder will), als es kann, verschiebt den klaren Viertakt oft zur Galopprolle. Man sagt, “das Pferd rollt”. Das bedeutet, dass es mit dem inneren Vorderbein weiter vorgreift und mit dem Kopf zu nicken beginnt, eben wie im Galopp. Wenn der Reiter die Galopprolle nicht korrigiert, kann es sein, dass das Pferd aufgaloppiert. Man kann auch aus dem Tölt angaloppieren, aber das ist nicht empfehlenswert, weil man das Pferd dann quasi auf die Möglichkeit einer Galopprolle aufmerksam macht. In Island wurde eine Art Galopprolle früher sogar als “normale” Gangart eingeordnet, “valhopp” genannt und von manchen Reitern sehr geschätzt. Sie ist nämlich durchaus bequem zu sitzen und Reitschülerinnen neigen dazu, das bequeme Geschaukel zu genießen, statt den Anweisungen des Reitlehrers zur Korrektur Folge zu leisten.
  • aufgaloppieren im Galopprennsport heißt etwas anderes: Der Aufgalopp ist die Aufwärmphase vor dem Rennen, bei dem die Pferde in langsamem Tempo zu Startmaschine cantern.

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