„National Hunt“ ist kein nationales Jagdrennen

"National Hunt" (kurz NH) ist ein gemeiner Begriff. Ein "National Hunt race" ist kein Nationales Jagdrennen, auch wenn alles darauf hinzudeuten scheint und ich diese Fehlübersetzung auch schon gelesen habe. Wie Old Vollblut im Kommentar zum Beitrag Steeplechase richtig bemerkte, ist National Hunt in Großbritannien und Irland der Oberbegriff für Hindernisrennen (wobei die angeführte Ausnahme mit den bumper races zu beachten ist, die als National Hunt gelten, aber nicht über Hindernisse führen).

Der Begriff National Hunt kann je nach Verbindung noch mehr implizieren. Spricht man davon, dass ein Hengst ein National Hunt sire (zum Thema sire gibt es einen weiteren Artikel hier) werden könnte, bedeutet das in den seltensten Fällen, dass er selbst ein gutes Hindernispferd war. Eher hat er sehr gute Rennleistung auf der Flachen gezeigt, ist aber wegen seiner wenig modernen Abstammung oder weil er ein Steher oder spätreif war als commercial sire uninteressant. Von einem commercial sire erwartet man frühreife Pferde, die sich als Jährlinge gut verkaufen lassen und in ihren ersten zwei Rennjahren gleich auf sich aufmerksam machen. Im National Hunt kommen die Pferde später auf den Markt, haben oft dreijährig noch keinen Namen, müssen weite Strecken bewältigen und dabei gesund und ehrlich sein. Die Decktaxen der National Hunt sires reichen im Regelfall nicht an die der „normalen“ Deckhengste heran, auch haben sie keine so vollen Bücher (sprich, sie decken weniger Stuten).

Zusammenfassung:

  • National Hunt race: Hindernisrennen in Großbritannien und Irland
  • steeplechase: Jagdrennen
  • bumper race: Flachrennen gemäß den Regeln des National Hunt (IRE/GB)
  • National Hunt sire: Deckhengst in der Zucht von Hindernispferden (klingt unrund, ich weiß, bitte um Vorschläge!)
  • Steher: Rennpferd, das seine beste Leistung auf Distanzen über 2000 Meter zeigt
  • commercial sire: meines Wissens nicht gut zu übersetzen, bitte auch hier um Vorschläge
  • Decktaxe: Gebühr für das Decken einer Stute
  • volles Buch: die maximale Anzahl von Stuten zur Bedeckung, wobei die Anzahl vom Hengsthalter selbst festgelegt wird. Also ein sehr dehnbarer Begriff

Was ist ein Endstock?

Ich frage mich – wenn man die umgangssprachliche Abkürzung „Endstock“ nicht kennt, was würde sich jemand dann darunter vorstellen, wenn man ihm sagt, dass es ein Begriff aus dem Umfeld „Pferde, Reiten, Pferdesport“ ist? Vielleicht mache ich mal eine Umfrage im (pferdefernen) Freundeskreis.
Gesammelte Erklärungen:

  1. ein Aufsatz für die Reitgerte (wie der Sporn für den Stiefel), um ihre Wirkung zu verstärken

Was Endstock tatsächlich ist, ist das zu erwartende End-Stockmaß. Man liest den Begriff also oft in Verkaufsanzeigen. Bei Jungpferden ist es oft weniger interessant, wie groß sie momentan sind, sondern eher, wie groß sie werden, wenn sie ausgewachsen sind. Gemessen wird am höchsten Punkt des Widerrists. Das Stockmaß ist aussagekräftiger als das Bandmaß, weil es die Breite des Pferdes an den Schultern ignoriert und einfach nur die Höhe angibt.

Übrigens habe ich zur Ermittlung, welches End-Stockmaß ein Pferd haben wird, mal folgenden Tipp gelesen:

Wer bei einem Jährling wissen möchte, wie groß dieser einmal wird, bedient sich folgender Rechnung: Abstand zwischen Ellbogen und Fesselkopf plus Abstand zwischen Ellbogen und Boden ergibt die spätere Widerristhöhe.

Hat jemand damit Erfahrungen gemacht, ob das stimmt?

PS: „Endstock“ nicht verwechseln mit „Endmaß“ beim Endmaßpony. Bei Endmaß-Ponys handelt es sich um Ponys, die nur ganz knapp kleiner sind als das erlaubte Endmaß (also kleiner als 1,48 m im Turniersport, kleiner als 1,07 m – oder war es 1,05 m? – bei Shetland-Ponys).

„yearling“ ist kein Einjähriges

Da lief auf Sat.1 ein Spielfilm über Pferderennen, und es war nicht Seabiscuit. „Dreamer – Ein Traum wird wahr“ hieß der Streifen, war wenig überraschenderweise wenig überraschend (Pferd bricht sich das Bein, wird aber nicht erschossen, sondern geheilt und gewinnt den Breeders‘ Cup – gibt es eigentlich keine anderen Plots?) Abgesehen von der sehr mageren Story gab es schöne Bilder und wenigstens stimmten viele der Details. Was man von der deutschen Übersetzung nicht sagen kann, auch wenn einige handlungstragende Wörter richtig waren („Röhrbein“ zum Beispiel). Man kann auch darüber streiten, ob in manchen Fällen nicht die umschreibende Form für Rennsportlaien sogar besser verständlich ist. Aber: „yearling“ heißt auf deutsch „Jährling“ und nicht „Einjähriges“, auch wenn das in irgendeinem der alten Dick-Francis-Krimis auch zu lesen ist. Und wenn den englischsprachigen Zuschauern dieser Fachbegriff zugemutet wird, dann werden ihn deutschsprachige auch verstehen.