Bei den Olympischen Spielen schaue ich besonders gern Sportarten, von denen ich nichts verstehe. Die Kommentatoren der öffentlich-rechtlichen und der Privatsender sind sehr unterschiedlich und vermitteln vor allem unterschiedlich viel Fachwissen. Zur Zeit gefallen mir die Reporter von Eurosport sehr gut, die die Regeln und Eigenheiten obskurerer Sportarten kompetent vermitteln und herausragende Leistungen begeistert feiern, ohne dabei eine  schwarz-rot-goldene Brille zu tragen. Das macht Spaß!

Und dann habe ich einen stacheligen Wälzer neben mir auf dem Sofa liegen. Ein Buch, in Kunstrasen gebunden, das musste ich haben. Es trägt den schlichten Titel „Sport. Regeln, Technik, Taktik“. Während der Olympischen Spiele, bzw. der Fernsehübertragung davon, ist für mich die beste Gelegenheit, dieses Buch intensiv zu nutzen und dabei seine Nützlichkeit zu überprüfen. Beim Wasserspringen, Gewichtheben und Kunstturnen habe ich jetzt Übertragung und Buch parallel genutzt und komme zu folgendem Fazit:

Das Buch ist gut strukturiert, stellt die wichtigsten Regeln der Sportart leicht verständlich dar und ist – das ist sehr nützlich – mit jeder Menge Illustrationen und Schemazeichnungen bestückt. Bei den drei oben genannten Sportarten hat mir das Buch ganz klar geholfen, den Wettkampf besser zu verfolgen.

Sport. Regeln, Technik, Taktik
Sport. Regeln, Technik, Taktik

Gewichtheben hat eine Seite mit 10 Bildern, kompliziertere Sportarten wie Cricket bekommen auch mal 6 Seiten und 32 Zeichnungen. Bislang deckten sich die Angaben im Buch mit denen der Fernseh-Kommentatoren. Die Richtigkeit der Angaben und der Übersetzung kann ich aber nur beim Pferdesport wirklich überprüfen. Pferderennen (Galopp) und Polo haben je 4 Seiten; Springreiten zwei Seiten; Trabrennen, Rodeo, Dressur und Vielseitigkeit (leider noch als Military bezeichnet) haben je eine Seite, und Horseball und „Kutschenrennen“ (abgebildet ist ein Einspänner-Marathonwagen, würde ich sagen) haben je eine halbe Seite.

Das Kapitel zum Galopprennsport ist fachlich korrekt. Zum Teil ist es England-lastig („Im Sommer finden nur Flachrennen (Galopprennen) statt, im Winter auch Hindernis- und Geländerennen“ – das ist in Deutschland anders, und Geländerennen gibt es nicht, gemeint sind wohl Jagdrennen). Auch die Übersetzer dieses Standardwerks tappen leider in die Falle mit den „jumps races“ („Springrennen“), übersetzen „pace maker“ als „Schrittmacher“ und schreiben von „den Schritt machen“. Schade. Und sie sind für den tollen Satz „Neben Profi-Jockeys gibt es inzwischen auch weibliche Jocketten.“ verantwortlich. Was Steffi Hofer wohl davon hält, als Jockette bezeichnet zu werden und nicht als Profi-Jockey?

Hindernisrennen inklusive Jagdrennen und Point-to-Point werden aber später im Text noch korrekt erklärt, selbst die Quarter Horses werden erwähnt. Handicaps, Startmaschine, Bodenspezialisten, all das kommt zur Sprache – inhaltlich wie gesagt einwandfrei.

Ich will nun aber nicht pingelig sein. Es ist ein tolles Buch, das mir einen leicht verständlichen Einstieg in fremde Sportarten bietet. Die vier Fehlübersetzungen im Kapitel über Pferderennen werden Neulingen im Galopprennsport nichts ausmachen und ihnen den Einstieg in den Pferdesport keinesfalls verhageln. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch!

Sport. Regeln, Technik, Taktik„, Dorling Kindersley Verlag GmbH 2008, ISBN: 978-3-8310-1211-4

Und hier noch einmal die Fachausdrücke und wie sie heißen sollten:

  • jumps races: Hindernisrennen
  • pace maker: Pacemaker
  • to make the pace: die Pace machen (ja, es ist denglisch, aber so heißt es nun mal!)
  • female jockey: weiblicher Jockey (nicht Jockette!)

2 Gedanken zu “„Sport“ (Dorling Kindersley)

  1. Guten Tag,

    gern beantworte ich Ihnen Fragen zum Thema Gangarten und Tölt.

    Tölt ist ein Wort aus dem Isländischen, das sich auch im deutsch- und englischsprachigen Raum für eine Gangart des Islandpferdes durchgesetzt hat, weil diese bei hier heimischen Rassen nicht (mehr) vorkommt.

    Man geht davon aus, dass der mittelalterliche „Zelter“ (ein hiesiges, besonders bequem zu reitendes Pferd) auch über diese Gangart verfügte. Es gibt Beschreibungen vom Bewegungsablauf des Zelters, die dem Tölt entsprechen, und die klangliche Nähe legt auch einen Zusammenhang nahe. Heutige Pferderassen in Mitteleuropa beherrschen diese Gangart nicht mehr, sie haben nur die drei Grundgangarten.

    Der Bewegungsablauf aller Pferde ist genetisch festgelegt. Es gibt nur sehr wenige Varianten, in denen sich ein Pferd bewegen kann (ich habe gerade versucht, sie zu zählen, und komme auf sieben. Das ist aber etwas, was man näher untersuchen müsste.) Natürlich hat das Pferd als Herden-, Lauf- und Fluchttier auch die Fähigkeit, Bewegungen zu kombinieren, oder überspitzt auszuprägen – nur dadurch kommt es zu solchen Bewegungsabläufen wie der Pirouette – einer Drehung im Galopp – oder der Kapriole – einem Sprung in die Luft mit Ausschlagen. So bizarr-zirkushaft diese Bewegungen unter dem Reiter wirken, habe ich doch beide schon auf der Weide bei freilaufenden Pferden beobachtet. Man kann einem Pferd keinen Bewegungsablauf beibringen, den es nicht mitbringt. Ohne eine genetische Disposition für Tölt kann ein Pferd also nicht tölten, auch nicht durch Training. Manche Islandpferde können es nicht. Andere haben noch eine fünfte Gangart, den Rennpass, aber solche Fünfgänger sind seltener als Viergänger.

    Tölt ist das Markenzeichen des in Deutschland sehr beliebten Islandpferdes. Eine Silhouette eines Tölters in der typischen Phase (ein Vorderbein auf dem Boden, das andere maximal hoch-eng angewinkelt) als Auto-Aufkleber ist für Islandpferdereiter sozusagen ein Erkennungszeichen. Dass Tölt das Islandpferd so beliebt gemacht hat, liegt daran, dass er für den Reiter so bequem zu sitzen ist und in jedem Tempo geritten werden kann.

    Wenn Sie sich nun fragen, was es bedeutet, wenn ein dargestelltes Pferd töltet, würde ich folgende Fragen stellen:
    – Woher stammt das Pferd? Einige (wenige) Pferderassen aus Island, Nord- und Südamerika und Südostasien können tölten sowie manche Trabrennpferde und Pferde aus alten iberischen Linien
    – Unter Berücksichtigung von oben genanntem, vermuten wir eine beabsichtigte Darstellung der Gangart, kreative Gestaltung oder „Zufall“ (Unkenntnis der Bewegungsabläufe/gestalterische Notwendigkeit)?
    – Spielt es für die Darstellung eine Rolle, wie sich das Pferd bewegt? Wenn ja, würde ich sie einem Reiter zeigen :)

    Ich weiß nun nicht, was Ihre spezielle Verbindung zum Tölt ist, und hoffe einige Fragen beantwortet zu haben – wenn nicht, melden Sie sich wieder! Gerne können Sie mir auch ein Bild schicken.

    Mit freundlichem Gruß

    Maike Hanneck

  2. Könnten Sie mir, einer NIcht-Reiterin, wissenschaftlich über eine Pferdeskulptur Arbeitende bitte erklären,was die Gangart Tölt bedeutet?
    Danke für Ihre Auskunft!
    MZ

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