Glossar Pferderassen, englisch-deutsch

Rasse? Egal, Hauptsache glücklich
Rasse? Egal, Hauptsache glücklich — Foto via Pixabay

Auch in meinem Lieblings-Wörterbuch Pferdesport – Deutsch, Englisch, Französisch ist keine Liste der Pferderassen, -typen und -schläge und ihrer Übersetzung enthalten. Also habe ich angefangen, eine zu erstellen. Für Anmerkungen, Anregungen, Korrekturen oder Fragen nutzen Sie bitte das Kommentarfeld am Fuß des Beitrags. Als Quelle verwende ich den Observer Guide to Horses and Ponies und The New Encyclopedia of the Horse (s. unten) und versuche, mich an die gängigeren Rassen zu halten. Weiterlesen

Ein gelbes Pferd

Bei der Betrachtung von D’Artagnans »gelbem« bzw. »orangefarbigem« Pferd (Die drei Musketiere von Alexandre Dumas) kann man verschiedene Thesen aufstellen, welche ungewöhnliche Farbe das Tier gehabt haben soll. Dumas schreibt »jaune de robe«.

  1. Fuchs, und zwar ein Hell- oder Lehmfuchs. Denn auch der unbekannte Edelmann aus dem ersten Kapitel mutmaßt: »Dieses Pferd ist offenbar oder war vielmehr in seiner Jugend ein Goldfuchs. Es ist eine in der Botanik sehr bekannte, aber bis jetzt bei den Pferden eine sehr seltene Farbe.« Es scheint mir aber sehr unwahrscheinlich, dass ein gewöhnlicher, wenn auch  etwas hellerer Fuchs, in dem Maße Aufsehen erregt haben soll, wie es d’Artagnans Reittier das tat. Und anscheinend war das Pferd eben nicht von edel goldglänzender Farbe, sondern die Bemerkung eher spöttisch gemeint.

    Foto via Pixabay
    Ein gelblicher Fuchs – Foto via Pixabay
  2. Falbe, und zwar ein gelblicher, also ein Gelbfalbe.

    Foto via Wikipedia
    Fjordfuchsfalbe – Foto via Wikipedia
  3. Erdfarbenes Pferd mit gelblichem Deckhaar, wie auf diesem Bild. Aber dann würde wohl kaum jemand behaupten, es sei einmal ein Goldfuchs gewesen, schließlich hat es dunkles Langhaar.

    Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
    Erdfarbenes Pferd mit Blesse – Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
  4. Ein Isabell. Dabei sagt man den Isabellen doch nach, früher sehr begehrt gewesen zu sein, so sehr, dass man ihrem Farbton den Namen der Königin Isabella gab. Ich habe für diese Behauptung aber leider keine Quellen.

    Foto via Pixabay
    Isabell bzw. Palomino – Foto via Pixabay
  5. Eine aufgehellte Farbe der oben genannten Farben, was einen entsprechend verwaschenen Eindruck rechtfertigen könnte, also ein cremello oder perlino.

    CremellKumana @ Wild Equines via Wikipedia
    Cremello – Foto von Kumana @ Wild Equines via Wikipedia – Creative Commons Attribution 2.0 Generic
  6. Ein rötlicher Farbwechsler wie dieser hier:

    Fuchsfarbwechsler - Foto von Lil Shepherd
    Fuchsfarbwechsler – Foto von Lil Shepherd – Creative Commons Attribution 2.0 Generic
  7. Vielleicht auch eine der Farben, die heute so begehrenswert erscheinen, und früher vielleicht wegen ihrer mangelnden „Reinheit“ abgelehnt wurden (reine Spekulation!), wie champagne, windfarben oder dunalino, oder eine kompliziertere Mixtur daraus.

    Foto von ArsDelicata via Wikipedia
    Pferd mit unbekannter Farbe – Foto von ArsDelicata via Wikipedia – Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wenn ich versuche, mir einen armseligen Klepper mit gelblichem Fell vorzustellen, entsteht das Bild von asiatischen Wildeseln.

Richtig spannend wäre es jetzt, wenn man rekonstruieren könnte, welche Landrassen es zu der Zeit, die Dumas beschreibt, in der Gascogne gegeben hat und ob bei diesen vielleicht bestimmte Fellfarben vorgeherrscht haben, so wie der „roan“-Faktor bei den belgischen Kaltblütern (die Eigenschaft, im Sommer- bzw. Winterfell verschiedene Anteile weißer Haare im Fell zu haben).

Dies ist ein Artikel in der Serie D’Artagnans Pferd. Weitere Artikel sind:

  1. D’Artagnans Pferd
  2. Rosskamm
  3. A genoux

Altes Wort für … Stute

Foto via Pixabay
Stute und Fohlen – Foto via Pixabay

“Stute” ist heute bundesweit und, soweit mir bekannt, auch in anderen deutschsprachigen Ländern der einheitliche Begriff für “ausgewachsenes weibliches Pferd”.

Es gab und gibt noch andere Bezeichnungen, die uns heute meist nicht mehr geläufig sind, in manchen Dialekten aber noch erhalten sein können. Die nachfolgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe die Begriffe und ihre Definitionen aus den “Untersuchungen zu den Haustiernamen des Rheinlands” von Dr. Anna Luise Brockmans von 1939. Sie hat die geografische Verbreitung verschiedener Bezeichnungen von Haustieren untersucht.

  • Mähre. Ein Begriff, der einen Bedeutungswandel durchgemacht hat. Während er früher einfach “weibliches Pferd” bedeutete, wird er heute meist nur noch in der Bedeutung “altes abgetriebenes Pferd” verwendet (also in dem, wie das Buch so schön festhält, “verächtlichen Nebensinn”). Vgl. englisch mare, niederländisch merrie, isländisch meri.
  • Mährenpferd. Hierzu schreibt Frau Dr. Brockmans: “Mähre erfährt in der Wortzusammensetzung Mährenpferd durch den Gn. [=Gattungsnamen] Pferd eine Verdeutlichung, ein Zeichen dafür, daß das Wort Mähre in besagten Gebieten bereits sinnentleert und damit in die Gefahr des Aussterbens geraten ist; man vergleiche Bildungen wie (…) Walfisch”
  • Strut, Strute, Strutpferd.
  • Stutenpferd. Eine Bildung wie Mährenpferd.
  • Mutterpferd
  • Muttergaul. Hierzu schreibt die Autorin: “Wo Gaul der Gn. [=Gattungsname] des Pferdes ist, (…) erscheint Muttergaul in derselben Bedeutung wie Mutterpferd im Pferd-Gebiet.”
  • Zielpferd. Bedeutet Zuchtpferd (ziel – ziehen – züchten ist der Zusammenhang).
  • Füllenpferd. Ein Pferd, das ein Fohlen hat, also ein Mutterpferd, ein weibliches Zuchtpferd.
  • Füllengaul
  • Füllenstute
  • Füllenmähre. In der Westeifel ursprünglich ein weibliches Pferd, das zur Zucht verwandt wird. Die Bedeutung wandelte sich aber hin zu “gute Stute”, einerlei, ob sie zur Zucht eingesetzt wurde oder nicht. In Schleswig-Holstein die Bezeichnung einer trächtigen Stute, während das Mutterpferd Fahlentöt heißt und das weibliche Pferd allgemein Fahlenpferd.
  • Füllenroß. Im Steirischen ein Pferd, das ein Saugfohlen hat.
  • Fülligurre. Bezeichnung für Stute mit Fohlen in der Schweiz.

Einen weiteren in diesem Buch gefundenen Begriff will ich nicht unterschlagen: “Mährfohlen” für “junges weibliches Pferd”. Heute würde man “Stutfohlen” sagen.

Suchst du andere Wörter für Pferde allgemein? Die findest du hier.

Wieviele Wörter enthält das Pferdewörterbuch?

Foto von Bhakti Iyata via Pixabay
Muskatschimmel? Schneeschimmel? Foto von Bhakti Iyata via Pixabay

Mein “Pferdewörterbuch” ist eigentlich eine Datenbank, in der ich Wörter beliebiger Sprachen speichern kann. Das klingt erstmal toll — so viele Möglichkeiten! — ist aber in der Praxis nur bedingt sinnvoll, weil ich außer Deutsch ohnehin nur Englisch, Spanisch und Isländisch gut kann (und ein bisschen Schwedisch, Norwegisch und Dänisch; da allerdings keine Pferdefachsprache). Aber auch wenn ich kein Japanisch oder Italienisch spreche, so finde ich doch manchmal Wörter in diesen Sprachen, und kann sie dann abspeichern. Auch wenn ich noch gar nicht weiß, was ich damit dann einmal anfangen werde.

Aber es macht mir Spaß, der Sammlung beim Wachsen zuzusehen. Das ist die aktuelle Verteilung der Wörter auf die Sprachen:

            [de] => 2262
            [en] => 231
            [is] => 49
            [es] => 10
            [fr] => 13
            [jp] => 1
            [it] => 5
            [nl] => 6
            [gr] => 1
            [dk] => 1

Dabei muss man bedenken, dass nicht jedem Wort automatisch eine Übersetzung zugeordnet ist. Ich kann auch einfach nur sammeln, ohne zuzuordnen. Manchmal gerät man in einen Sammelrausch, und trägt einfach nur Wörter ein, die man findet.

Manchmal gibt es auch Probleme, ein Wort einer Sprache zuzuordnen. Wie — das kann nicht sein; jedes Wort gehört einer Sprache an? Naja, wie ist das denn mit den Akronymen „FEIF“, „FIZO“ oder „FN“, und mit Rassebezeichnungen wie „Quarter Horse“? Das heißt doch auf deutsch genauso? Was ist mit „rodeo“, ist das englisch oder spanisch? Diese Fragen machen mir viel Spaß. Aber solange die Kategorisierung noch nicht abschließend beantwortet ist, kann ich das Pferdewörterbuch noch nicht in gedruckter Form herausgeben.

Und wo finde ich schließlich diese Wörter? Das ist ganz einfach, die Bücher sind voll davon. Ich mag Antiquariate und kaufe mir da gern obskure Fachliteratur wie z. B. “Die Beurtheilung der Pferde” ohne Jahres- oder Autorenangabe, in Sütterlin geschrieben, in dem ich dann lese:

Der Muskatschimmel hat braune, rothe und gelbe Haare, mit weißen derart gemischt, daß dadurch größere in einander fließende Flecken mit  lebhaftem Farbenspiel entstehen; die langen Haare sind grau oder schwarz. Als Dunkelfuchs geboren wird er im Alter …

und den Rest kann ich nicht entziffern. Ich habe auch modernere Bücher, Standardwerke wie das Hippologische Lexikon von Graf von Norman senior, der anscheinend seinen Vornamen geheimhalten wollte, oder den Tote Guide to Horse Racing and Betting (weil ja Galopprennen mein Spezialgebiet sind). Weiterhin Fachbücher über Jagd, Polo, Westernreiten… also die Sparten der Reiterei, mit denen ich praktisch nichts zu tun habe.

Ein anderes Wort für …

Foto von Markus Spiske via Pixabay

Hier sammele ich Begriffe aus dem Pferde-Bereich, ohne jede Berücksichtigung von juristischen Definitionen, einfach nur aus dem alltäglichen Sprachgebrauch an deutschen Ställen. Es sind keine Synonyme – tölten und traben ist nicht dasselbe! – sondern Bedeutungsgruppen. Oft ist es ja so, dass man auf eine Bezeichnung nicht kommt, wohl aber auf ein Wort, das so etwas ähnliches bedeutet, wobei man genau weiß, dass der gesuchte Begriff eine leicht andere Bedeutung hat. Für genau diese „Wie heißt das noch mal …?“-Momente ist dieser kleine Wortschatz.

Also, ein anderes Wort für …

Pferdezuchtanlage: Gestüt, Deckstation, Besamungsstation
Pferdehaltungsanlage: Stall, Offenstall, Pensionsbetrieb, Reiterhof, Reitstall, Aufzuchtgestüt, Gnadenhof, Ponyhof
Pferderennen: Galopprennen, Trabrennen, Hindernisrennen, Hürdenrennen, Jagdrennen, Steeplechase, Passrennen, der Sport zwischen den Flaggen
laufen (des Pferdes): Schritt gehen, traben, galoppieren, cantern, tölten, Rennpass gehen, zackeln, durchgehen, tribulieren
Untugenden oder Ungehorsam des Pferdes: buckeln, bocken, steigen, auskeilen, treten, ausschlagen, schlagen, beißen, schnappen, verweigern, durchgehen, kleben, koppen
Alltagsbeschäftigung des Pferdes: grasen, weiden, wälzen, äppeln, Fellpflege
Ort zum Bewegen der Pferde: Reitplatz, Platz, Reithalle, Halle, Ovalbahn, Gelände
Ausbilder von Pferden: Bereiter, Trainer, Pferdeflüsterer
Ausbilder von Reitern: Reitlehrer, Reitwart, Trainer (A, B, C), Instructor (Parelli-) (sie auch Berufe rund ums Pferd)
hinken, humpeln„: lahmen, ticken, nicht klar gehen, rollen (siehe auch Liste der Bewegungs-Anomalien beim Pferd)
Pferdesportart: Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Military (veraltet), Gangreiten, Westernreiten, Distanzreiten, Polo, Horseball, Pato, Wanderreiten, Voltigieren – bald gibt es hierfür eine eigene, etwas längere Liste
Bewegung des Pferdes ohne Reiter: Bodenarbeit, Freiheitsdressur, laufen lassen, longieren, Arbeit im Round Pen, spazieren gehen, Arbeit an der Hand, Arbeit an der Doppellonge, als Handpferd mitnehmen
Hufschlagfiguren: aus der Ecke kehrt, auf dem Zirkel geritten, aus dem Zirkel wechseln, durch den Zirkel wechseln, durch die ganze Bahn wechseln, durch die Länge der Bahn wechseln, durch die halbe Bahn wechseln, Volte, Viereck verkleinern und vergrößern

Siehe auch:

Noch mehr Wörter, oder Fragen? Kommentarfeld nutzen!

A genoux

Foto von Jacqueline Macou via Pixabay
A genoux – Foto von Jacqueline Macou via Pixabay (Schön zu sehen hier der Unterschied zwischen „normalem“ Schimmel rechts, und Fliegenschimmel links)

Die beiden Pferde zeigen in der Freiheitsdressur, also ohne alle Hilfsmittel, die Zirkuslektion „a genoux“ = „auf die Knie“. Heute weiß man, dass das Pferd sein Knie sehr nah am Rumpf am Hinterbein hat. Auf dem Bild ungefähr da, wo sich am Hinterbein der Schatten formt.

Dies ist ein Artikel in der Serie D’Artagnans Pferd. Weitere Artikel sind:

  1. D’Artagnans Pferd
  2. Rosskamm

Kleine Schimmelkunde (4)

Was ist ein Schabrackenschimmel?

Hierauf habe ich zunächst die Antwort: Ein Wort, das als ⇒ Suchbegriff extrem wenige Treffer bei Google erzielt :)

Spaß beiseite: Es ist keine Pferdefarbe, von der ich je gehört habe. Das wiederum bedeutet erst einmal gar nichts. Denn nur weil man (noch) keinen Beleg für die Existenz von etwas hat, heißt es ja nicht, dass es nicht existiert.

Vermutlich handelt es sich um ein Missverständnis, und das eigentlich gemeinte Wort ist Schabrackentiger (häufiger) oder Schabrackenschecke (seltener).

Schabrackentiger
Die Mutterstute ist kein Schabrackenschimmel, sondern ein Schabrackentiger – Foto von Penstones via Pixabay

Die einzige Fundstelle im Internet für das Wort “Schabrackenschimmel” ist in einem Verzeichnis der ⇒ Bayerischen Staatsbibliothek. Wenn ich das Nachlassverzeichnis des Hans-Wilhelm Smolik richtig interpretiere, hatte die Schriftstellerin Else Soffel-Rutz ihm ein Originalmanuskript mit dem Titel “Der Schabrackenschimmel – Geschichte eines edlen Zirkus-Pferdes” zugeschickt. Dabei können wir nur spekulieren, ob damit die Farbe des Pferdes gemeint war, oder es sich um eine literarische Schöpfung handelt. Hans-Wilhelm Smolik selbst (der aber wie gesagt nicht der Schöpfer dieses Manuskripts war, wenn ich das Verzeichnis richtig verstehe) hat seinen Büchern über die Natur oft solche “sprechenden” Titel gegeben:

  • Knorzel, der Baumstumpf
  • Rauschebart, die Eiche
  • Grimback, der Hamster
  • Kribbelfix, die Waldameise
  • und mein Favorit: Näpfli, das rote Blutkörperchen

Was mich nun aber wirklich fasziniert hat, ist das Wort “Schabracke” selbst. Im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Friedrich Kluge (10. Auflage 1924, Walther de Gruyter & Co) stehen dazu auch die Schreibweisen

  • Schaberacke (1669)
  • Tschabraken (1671)
  • Schabragge (1700)
  • Schabrack (1741)

Als Ursprung des Wortes wird das türkische čaprâk für ‘Satteldecke’ angegeben. Eine Entlehnung also; und das Lehnwort ist ein wichtiger Hinweis darauf, wo diese bestimmte Form der Satteldecke vermutlich herstammt. Denn meistens wandern die Wörter zusammen mit dem Phänomen, das sie bezeichnen, durch die Welt (siehe “tölten”, das mit den Islandpferden aus Island gekommen ist).

Islandpferdefarben

Ein windfarbener Isländer
Ein windfarbener Isländer – Foto von Ute Becker via Pixabay

Ich werde ab und zu nach Pferdefarben und wie sie auf deutsch und isländisch heißen gefragt. Weil es zu viele sind, um sie in einem Artikel zu behandeln, werde ich in loser Folge einen Begriff vorstellen. Es geht dabei um die Farben von Islandpferden und ihre Bezeichnungen. Auf die Genetik gehe ich nicht im Detail ein – wer sich dafür interessiert, dem sei das Buch ⇒ “Farben und Farbvererbung beim Pferd – Islandpferde” von Henriette Arriens empfohlen, was allerdings knapp €40 kostet. Ich habe sowohl dieses Buch als auch ⇒ WorldFengur und ⇒ Stormhestar sowie weitere Bücher und Plakate bei der Zusammenstellung dieser Liste berücksichtigt, aber leider ist es auch so, dass es bei den Farbbezeichnungen noch einige Widersprüche gibt sowie Pferde, deren Farbe sehr schwer zu beschreiben ist (zum Beispiel der fabelhafte ⇒ Svadilfari från Knutshyttan, der in Island als gelberdfarben, in Schweden als rappwindfarben geführt wird und an anderer Stelle als Goldrappe auftaucht). Grundsätzlich muss man sagen, dass die Isländer (die Zweibeiner) die verschiedenen Farbphänomene und ihre Vererbung sehr früh erkannt und klassifiziert haben, während die deutsche Nomenklatur wesentlich weniger präzise ist (bspw. dunkelfalb, Mohrenkopfschimmel). Das letzte Wort bei der Bezeichnung einer Farbe hat immer der Zuchtverband. Bei den Islandpferden sind die gültigen Farbbezeichnungen auf ⇒ WorldFengur nachzulesen.

Weitere Buchempfehlungen zum Thema Pferdefarben

Bei den isländischen Bezeichnungen der Farben steht wie im Wörterbuch die männliche Grundform zuerst, gefolgt von der weiblichen und der neutralen, denn die Farbbezeichnungen sind immer Adjektive (außer hvítingi). Und noch eine Warnung: Auch wenn diese Liste hilft, Pferdenamen wie Rauður zu übersetzen, ist sie nicht geeignet, um Pferdenamen auszusuchen, weil Isländer ihre Pferde zwar “Brúnn” (Rappe) und “Rauður” (Fuchs) nennen, aber nicht “Mósóttur” (sondern Mósi). Wenn Sie also einen passenden Namen für Ihr Islandpferd suchen: bei ⇒ Fróður finden Sie nicht nur den Namen, sondern auch die Aussprache.

Rosskamm

Foto von Rihaij via Pixabay
Einäugiger Schimmel – Foto von Rihaij via Pixabay

„Spricht der Rosskamm von einem einäugigen Hengst, so meint er einen blinden Wallach.“ (Russisches Sprichwort)

So übel beleumundet sind Pferdehändler also früher gewesen: „Einem Rosskamm traue nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“

Es gibt verschiedene Theorien, wie der Begriff Rosskamm als Bezeichnung für Pferdehändler entstand. Zunächst bedeutet er ja konkret: „ein Kamm, die Pferde damit zu kämmen“(⇒ Adelung), also eine Art Striegel oder Kardätsche.

Weiter wird bei Adelung erklärt:

Eine im gemeinen Leben sehr übliche Benennung eines Roßhändlers, besonders so fern derselbe seinen Handel durch Vertauschung seiner Pferde gegen andere treibet, da er denn auch ein Roßtäuscher, und in einigen Gegenden auch Roßmange, Roßmenge genannt wird, von dem veralteten mangen, mängen, tauschen, handeln. Ungeachtet Frischen die gleich folgende bessere Ableitung bekannt war, so wollte er dieses Wort doch lieber von Kamm, pecten, ableiten, weil die Roßhändler die zum Verkaufe bestimmten Pferde vorher zu kämmen oder zu schmücken pflegten, da er denn einen Roßkamm durch das Griech. Hippocomus erkläret, von κωμειν, schmücken. Allein, es ist bey dem allen doch wahrscheinlicher, daß die letzte Hälfte dieses Wortes zu dem mittlern Lat. Cambium, Tauschhandel, cambiare, tauschen, gehöret, welches allem Ansehen nach davon gebildet ist, so daß Roßkamm und Roßtäuscher im eigentlichsten Verstande gleichbedeutend sind.

Kurz zusammengefasst also Theorie 1: weil die Händler die Pferde kämmten; Theorie 2: die Silbe „-kamm“ ist vom Lateinischen abgeleitet und bezieht sich auf das Tauschen der Pferde.

Ein Rosstäuscher ist also primär nicht jemand, der beim Pferdeverkauf täuscht, sondern jemand, der Pferde tauscht.

Dies ist ein Artikel in der Serie D’Artagnans Pferd. Weitere Artikel sind:

  1. D’Artagnans Pferd
  2. A genoux

Nebenschauplatz: Anglizismen

Wiese - Foto von Henryk Niestrój via Pixabay
Wiese ist auch ohne Pferde schön — Foto von Henryk Niestrój via Pixabay

Dies ist ein Beitrag ohne Pferdebezug. Einfach nur so, weil ich mich über schlampige Übersetzungen und Anglizismen ärgere, vor allem, wenn sie in Jugendbüchern auftauchen.

book worm ist auf deutsch kein Bücherwurm, sondern eine “Leseratte”.

rule of thumb heißt auf deutsch nicht Daumenregel, sondern “Faustregel”.

Noch viel mehr wunderschöne Übersetzungsfallen, in die man tappen kann, finden sich auf der gleichnamigen Website.