braun, falb oder erdfarben?
Foto: islandpferdenamen.de

Ich habe jetzt schon mehrfach den Begriff  „dunkelfalb“ als Bezeichnung eines äußerlich eigentlich braunen Pferdes gelesen. Wissen Sie was dahinter steckt?

Kurze Antwort: Nicht genau.

Lange Antwort: Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum man diese Pferde nicht braun nennt, obwohl sie so aussehen. Um den konkreten Grund herauszufinden, müsste man Fotos der betreffenden Pferde sehen und zusätzlich wissen, welche Farben ihre Eltern und Geschwister haben, um so auf die Genetik schließen zu können.

Was ich mir vorstellen könnte, warum das Pferd als dunkelfalb bezeichnet wird:

  • Es könnte ein echter Braunfalbe sein. Ein Braunfalbe hat einen braunen Rumpf, Beine und Kopf sind etwas dunkler, und er hat einen Aalstrich, der sich längs durch seine Mähne, über den Rücken und bis in den Schweifansatz hinein zieht. Braunfalben werden meist für Braune gehalten und als solche eingetragen. Braunfalben sind nur dann Braunfalben, wenn mindestens ein Elternteil ebenfalls ein Falbe war (es muss kein brauner Falbe gewesen sein, ein Mausfalbe ginge zum Beispiel auch, aber auf jeden Fall ein Falbe). Also schauen Sie sich das Pferd gut an – hat es einen Aalstrich? ⇒ Hier ein Beispiel für einen sehr dunklen Braunfalben, ⇒ hier ein Braunfalbe, bei dem man den Aalstrich gut sieht
  • Dann gibt es noch Falben, die so genannt werden, vom Erbgut her aber keine sind. Leider gibt es in Deutschland – jedenfalls soweit mir bekannt – noch keine gute Terminologie der Farben, bei der auch den genetischen Gegebenheiten Rechnung getragen wird. Am weitesten sind da meine ich die Islandpferdezüchter, die relativ genau unterscheiden. (Deswegen entnehme ich meine Beispiele auch der Islandpferde-Datenbank ⇒ Stormhestar.)
    Den echten Falben haben wir oben definiert. Was in Deutschland auch noch Falbe genannt wird, ist das, was die Isländer als erdfarben und die Amerikaner als buckskin bezeichnen. Eine Farbe, die z. B. beim ⇒ Connemara-Pony häufig ist, und dort habe ich auch die Bezeichnung „dunkelfalb“ häufiger gefunden. Ein erdfarbenes Pferd kann am Rumpf von hell-milchkaffeefarben bis braun variieren, die Beine sind dunkler. Oft ist das Gesicht minimal heller als der Rumpf. ⇒ Ein Beispiel für ein hellerdfarbenes Pferd ist der Hengst Óskasteinn vom Barghof, den Laien auch für ein Connemara halten könnten.
    Ein erdfarbenes Pferd hat keinen deutlichen Aalstrich und vor allem ist sein gesamtes Langhaar dunkler als das Fell, und nicht, wie beim Falben, nur die Mitte der Mähne. Es handelt sich um verschiedene Gene, die dafür sorgen, dass ein Pferd entweder ein Falbe oder erdfarben wird*. Dennoch werden beide Farben in Deutschland „falb“ genannt. Dunkelfalb könnte also einer von den ganz dunklen Erdfarbenen sein, die sich mit bloßem Auge kaum von einem normalen Braunen unterscheiden lassen. Um sicher zu sein, muss man die Farben der Vorfahren kennen.
    Da ich wie gesagt den Begriff „dunkelfalb“ vor allem bei den Connemaras gefunden habe, tippe ich darauf, dass es sich um die in den USA als sooty buckskin** oder dark buckskin bekannt gewordene Farbe handelt. In der Islandpferdezucht spricht man von dunkelerdfarben. ⇒ Ein Beispiel für einen sehr dunklen Erdfarbenen (Isländer). Vergleichen Sie mit einem ⇒ dunkelfalben Connemara, Dun Iltschi
  • zu guter Letzt kann es auch ein simpler Brauner sein, aber braunfalb klingt einfach interessanter. Farbgenetik beim Pferd ist modern, und Pferdebesitzerinnen stecken viel Geld in Gentests, weil sie sich so sehr Farbe XY wünschen, von der sie so tolle Fotos im Internet gesehen haben

Bitte bedenken Sie, dass ich keine Biologin bin und schon gar nicht von jeder Farbe eine Stute und einen Hengst in meiner Herde stehen habe, mit denen ich dann munter versuche, einen Mausfalbwindfarbschecken zu züchten, der Farbwechsler ist und dazu noch Schimmel wird (theoretisch müsste das gehen …?).

* wobei es auch beides sein kann, eben weil es zwei verschiedene Gene sind – aber das ist selten. ⇒ Hier ein Beispiel dafür

**sooty buckskin ist auch wieder missverständlich, weil man mittlerweile vermutet, dass es noch ein weiteres Gen geben könnte, das für einen schwärzlichen Farbton zuständig ist, wie man ihn z. B. beim Kohlfuchs findet

Ein Gedanke zu „dunkelfalb

  1. Zitat:“und schon gar nicht von jeder Farbe eine Stute und einen Hengst in meiner Herde stehen habe, mit denen ich dann munter versuche, einen Mausfalbwindfarbschecken zu züchten“

    LOL

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