Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay
Hier schmiedet nur der Schmied – Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay

Im Idealfall bewegen Pferde ihre Beine so, dass sie sich nicht berühren und gerade nach vorne geführt werden. Das ist aber nicht immer so. Oft ist die Ursache ein Stellungsfehler, d. h. die Gliedmaße des Pferdes ist von vorne betrachtet nicht gerade, oder die Winkelung der Gelenke ist ungünstig. Diese Stellungsfehler haben so viele schöne Namen (kuhhessig!), dass sie einen eigenen Artikel verdienen. Auch falscher oder abgenutzter Beschlag, Ermüdung oder schlechtes Gleichgewicht können zu Störungen im Bewegungsablauf führen.

Anomalien im Bewegungsablauf sind unter anderem:

  • Bügeln: Das Pferd führt den Vorderhuf beim Vorschwingen nach außen. Bei manchen Rassen ist dieser Bewegungsablauf kein Mangel, sondern erwünscht. Umgangssprachlich auch »Schaufeln« oder »Fuchteln« genannt.
  • Sich streichen: Das Pferd führt den Huf beim Vorschwingen des Beins so weit innen, dass es das benachbarte Bein streift. Es kann sich dadurch blutig schlagen. Zum Schutz kann man Streichkappen oder Gamaschen anlegen.
  • Schleifender Gang: Das Pferd hebt die Beine nicht hoch genug, sondern lässt die Zehe schleifen (vor allem auf weichem Boden).
  • Greifen, einhauen, Eisenklappern, einschlagen, eintreten, schmieden, sich ins Eisen treten: Das Pferd tritt mit dem Hinterhuf in den vorderen. Deutlich zu hören, wenn das Pferd beschlagen ist.
  • Ballentritt: Das Pferd tritt sich mit der Spitze des Hinterhufs in den Ballen des Vorderbeins. Schutz: Ballenboots, Hufglocken, Scalper.
  • Kronentritt: Das Pferd tritt sich mit dem Vorderhuf in den Kronrand des Vorderbeins. Schutz: Hufglocken. Oder das Pferd tritt sich mit dem Vorderbein auf den Kronrand des Hinterbeins, besonders schlimm, wenn das Hufeisen Stollen oder Stifte hat.
  • Lahmen. Ungleichmäßiger Gang, Taktfehler aufgrund von Schmerzen oder krankhafter Veränderung. Wenn man davon spricht, dass das Pferd lahmt, meint man nicht, dass es faul ist, sondern dass es hinkt. Man sagt auch, das Pferd geht lahm.

Krünitz beschreibt das Streichen so: »Bisweilen verletzen die Pferde ihre Köthen durch das Eisen des andern Fußes, wenn es zu weit vorgeht, und die Pferde müde werden, oder wenn sie mit den Zehen ein- oder auswärts und nicht gerade vorwärts gehen. Geschieht diese Verletzung immer auf einerley Stelle, so sagt man: le cheval s‘ entretaille; geschieht es nicht auf der Stelle wieder, il s‘ attrape. Das Pferd kann hiervon nicht nur lahm, sondern auch auf immer unbrauchbar werden. Man kann nicht viel dagegen gebrauchen, ausser daß man etwann die Eisen verbessert. Die englischen Pferde-Händler pflegen beyde Köthen mit einem Stücke dicken Leder zu umwickeln, damit das Pferd sich nicht beschädigen, und man also den Fehler nicht sobald wahrnehmen könne.« (Quelle: Krünitz, Johann Georg: Oeconomische Encyclopädie, Band 46, erschienen 1789) Ist also schon seit Jahrhunderten dasselbe.

Anmerkung: Westernreiter nennen das oben beschriebene schmieden forging. Möglicherweise ist der Begriff so »eingewandert«. Es gibt auch noch die Bezeichnung cross firing dafür.

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