Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay
Vollblutaraber – Foto von Jean Louis Tosque via Pixabay

Gehört bei den Olympischen Spielen:

Er ist von Stan the Man, die Mutter von Heraldik, er hat also ganz viel Blut.

Die Blutmenge eines Pferdes entspricht etwa 10% seines Körpergewichtes, also ca. vierzig Liter bei einem Haflinger und gute fünfzig bei einem Warmblutpferd. Noch mehr Blut hat ein Kaltblutpferd, das schließlich auch mal 800 kg wiegen kann. Für Laien wird es spätestens jetzt verwirrend: Es gibt also Pferde mit wenig und mit viel Blut, und es ist auch noch von unterschiedlicher Temperatur? Und worauf wollte der Kommentator hinaus?
Man unterscheidet im Deutschen vier Pferdetypen (im Englischen gibt es andere Unterscheidungen, bspw. cob), hier geordnet nach Größe:

  • Pony bzw. Kleinpferd
  • Vollblutpferd, Vollblüter, Vollblut, Blüter
  • Halbblutpferd, Halbblut (englisch: part-bred, Abkürzung oft „pb“)
  • Warmblutpferd, Warmblüter, Warmblut
  • Kaltblutpferd, Kaltblut

Woher diese „-blut“-Bezeichnungen genau stammen, kann ich nicht sagen. Vielleicht kann mir ein mitlesender Etymologe helfen? Auf jeden Fall scheinen die Begriffe mit dem früher verbreiteten Irrglauben zusammenzuhängen, dass alle interessanten Substanzen und sogar Eigenschaften im Blut gelöst seien (das Erbgut zum Beispiel, aber auch irgendeine Form von Temperament – vergleiche „heißblütig“. Im Wort „Blutlinie“ wird der vermeintliche Zusammenhang von Erbgut und Blut übrigens auch deutlich.) Natürlich ist schon lange nachgewiesen, dass Warmblüter auch keine höhere Körpertemperatur als Kaltblüter haben (normal ist eine Spanne zwischen ungefähr 37,5 und 38,5 Grad) und dass Vollblüter genauso viel Blut haben wie Warmblüter gleichen Kalibers.

Und was meinte der Kommentator jetzt? Es geht um die Abstammung. Das Pferd, das viel Blut hat, hat einen hohen Vollblut-Anteil im Stammbaum, ist aber kein reines Vollblut, sondern ein Halbblut. Vollblüter werden bei vielen verschiedenen  Pferderassen als sogenannter Veredler eingesetzt, was bedeutet, dass man in einem bestimmten Maß Pferde einer bestimmten anderen Rasse in eine ansonsten als Reinzucht angelegte Pferderasse einkreuzen darf. Es gibt auch Rassen, die nur als Reinzucht angelegt sind und keinerlei Veredlung zulassen, z. B. Islandpferde, und das Englische Vollblut selbst.

Eine gute Erklärung zum Blutbegriff findet man in ⇒ Meyers Großem Konversationslexikon (sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage), Leipzig und Wien 1905-1909:

Der tierzüchterische Ausdruck Blut bezeichnet den jeweiligen Anteil eines Zuchttieres an Zuchteigenschaften jener Rasse, der dasselbe angehört. Wenn eine Rasse mehrere aufeinanderfolgende Generationen hindurch mit glücklichem Erfolg verbessert ist, d. h. also, wenn bestimmte wichtige Eigenschaften in einer Zucht hergestellt sind, dann nennt man die auf solche Weise produzierten Tiere hochgezogene oder auch wohl edle. Nur muß man unter »edel« in diesem Sinne nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stammbaum verstehen. Ist eine erfolgreiche Zucht eine gewisse Anzahl von Generationen hindurch in derselben Richtung fortgesetzt, dann erzielt man Vollblut. Ursprünglich ist diese Bezeichnung in der Zucht der englischen Rennpferde entstanden, und noch heute denkt man an die Zugehörigkeit zu den letztern, wenn man von einem Pferd kurzweg sagt, es habe »Blut«.

Und was ein Halbblutpferd ist, ist im Illustrierten Landwirtschafts-Lexikon von 1919 gut beschrieben:

Als Einzeltier aus der Paarung eines Vollblutpferdes mit gemeiner Stute hervorgegangen. Nach der Erfahrung gibt diese Kreuzung zwar keine Zuchtpferde mit sicherer Vererbung (siehe Mendelsches Spaltungsgesetz), wohl aber ausgezeichnete Gebrauchspferde mit lebhaftem Temperament und guter Konstitution, ausdauernd und mäßig anspruchsvoll.

Siehe auch den Artikel thoroughbred. Zur genaueren Unterscheidung von Warm-, Voll- und Kaltblut siehe Wikipedia: ⇒ Vollblüter, ⇒ Warmblüter, ⇒ Kaltblüter

Ein Gedanke zu „Blut, warm und kalt

  1. Heißblutpferde haben wohl mehr Blut. Sie haben etwa 120 mL/kg Körpergewicht und Kaltblutpferde haben nur 65-75 mL/kg Körpergewicht. Dadurch können sie schnell ihre Leistung abrufen und sich selber auch schnell zu Höchstleistungen treiben.

    Der Mensch hat aber auch nur 70-80ml/kg Körpergewicht und ist somit eher Kaltblut.

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