owner

Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen
Die Rennfarben verschiedener Besitzer beim Galopprennen ― Foto von ThreeMilesPerHour via Pixabay

Jedes Rennpferd gehört jemandem, einer oder mehreren Personen, die sich unter einem Decknamen (Stall Soundso, Gestüt Larifari), als Besitzergemeinschaft, als Syndikat oder Club zusammengefunden haben. Charakteristisch ist dabei die Rennfarbe, die jeder Besitzer für sich registrieren lässt, und die ― wie oben zu sehen ― sehr bunt ausfallen kann.

Wichtig ist für uns im lexikalischen Zusammenhang, dass man im Galopprennsport immer nur von dem »Besitzer« spricht. Der Eigentümer wird nicht genannt. Oft sind Eigentümer und Besitzer identisch, manchmal aber nicht, z. B. wenn das Pferd gepachtet ist.

Ein Besitzertrainer ist nicht jemand, der Besitzer trainiert, sondern jemand, der seine eigenen Pferde trainiert, also Trainer und Besitzer gleichzeitig ist.

Ein Wort, das im Deutschen fehlt, ist owner-breeder. In meiner Zeit bei der Sport-Welt umschrieb man das, zum Beispiel in einer Stall-Parade, wortreich wie folgt: »Hans Meyer hat mit dem von ihm gezogenen Abraxas noch einen vielversprechenden Colinas-Sohn im Aufgebot für den Winterfavoriten«. (Die Eigennamen sind erfunden, der Satz aber hätte original so in der Zeitung stehen können.) Man konnte auch von »Hans Meyers selbstgezogenem Abraxas« sprechen, oder man schrieb »Abraxas, der von seinem Besitzer Hans Meyer auch gezogen wurde«. Sehr hakelige Formulierung, die mir damals schon nicht gefiel.

Nebenbei fällt auf, dass Galopper nicht »gezüchtet«, sondern »gezogen« werden.

Renntag

Galopprennen in Australien
Galopprennen in Australien — Foto von Peter Wright via Pixabay

Renntag. Ein schönes Wort, wie Festtag oder Ferientag. Es unterstreicht, dass Tage, an denen Pferderennen stattfinden, etwas besonderes sind, und nicht einfach Termine an einem bestimmten Datum.

Renntag. Quelle: Kölner Rennverein
Renntag. Quelle: ➸ Kölner Rennverein

Zwar gibt es auch den englischen Begriff raceday, aber der bezeichnet eher den konkreten Tag, an dem Rennen stattfinden. Der englische Begriff für einen Renntag in der Zukunft ist fixture. Im Amerikanischen gibt es den Begriff race meet, wobei ich nicht sicher bin, ob er auch für Ein-Tages-Veranstaltungen benutzt wird, denn im britischen Englisch ist ein race meeting ursprünglich eine Veranstaltung über mehrere Tage hinweg, wie die Meetings (heißt auf deutsch genauso) in Ascot, »Glorious Goodwood« oder bei uns auch die »Große Woche« in Baden-Baden.

Kalender der Website des British Horse Racing Boards
Kalender der Website des British Horse Racing Boards. Quelle: ➸ BHB

Meeting klingt erstmal modern, ist aber schon 1890 in Victor Silberers Turf-Lexicon belegt:

jede für sich ein abgeschlossenes Ganze (sic) bildende Gruppe von Renntagen.

Hingegen findet sich im businessorientierten Neusprech leider immer öfter der Begriff »Renntermin« – das hat so viel Charme wie ein Zahnarzttermin. Im Englischen begegnet uns dagegen immer häufiger, geradezu inflationär, der Begriff festival – das Cheltenham Festival heißt schon länger so, aber das Guineas Festival oder das Dante Festival sind Neuschöpfungen. Gruselig klingt ein Renntag, der heute

The Summer Festival featuring London Insurance Market Ladies‘ Day and Coral-Eclipse Day

genannt wird und früher einfach prägnant »Eclipse Stakes«, oder umgangssprachlich »the Eclipse at Sandown« hieß.

Wetterhahn mit Reiterfigur
Dass es leichter wird, sich in den Artikeln zurechtzufinden, das ist mein Wunsch – Foto von Hans Braxmeier via Pixabay

Weil ich festgestellt habe, dass meine Artikel auf dieser Website immer länger und ausführlicher werden, experimentiere ich mit einer neuen Formatierung, die es einfacher machen soll, die wichtigsten Aussagen schon beim Überfliegen zu erfassen (zu sehen im Artikel »Sind Islandpferde Ponys?«).

Natürlich mache ich mir nicht die ganze Arbeit, um am Ende doch nur 5% relevanten Inhalt im Artikel zu haben. Aber aus meiner Erfahrung bei der Webrecherche weiß ich, dass die meisten Artikel die Frage, die man hat, nur am Rande behandeln, und dann ist man froh, wenn man sich schnell orientieren kann.

Zu den Veränderungen im Layout zählen:

  • Fettgedruckte Zwischenüberschriften, die aus Gründen des Leseflusses nicht vom Absatz abgesetzt sind.
  • Bei langen Artikeln eine Kurzzusammenfassung zu Beginn, mit der Möglichkeit, direkt zum relevanten Inhalt zu springen.
  • Gesammelte Quellenangaben am Ende des Textes.

Ich bin bei diesen Änderungen besonders gespannt, wie sie ankommen, und bitte daher um Kommentare!

Auch am Layout der Website selbst will ich Veränderungen durchführen, die die Benutzbarkeit verbessern. Wer Vorschläge dafür hat, kann sich ebenfalls gerne mit einem Kommentar oder per Mail bei mir melden!

Sind Isländer Pferde oder Ponys?

Islandstute mit Fohlen - Foto von Ute Becker via Pixabay
Islandstute mit Fohlen: Pferd oder Pony? Oder beides? Foto von Ute Becker via Pixabay

Es gibt Islandpferdereiter, die empörte Leserbriefe schreiben, weil in einem Reisemagazin in einer Bildunterschrift »Islandpony« steht. Immer wieder hört man die vehement vorgetragene Meinung, Islandpferde seien keine Ponys, sondern Pferde! Mit Ausrufezeichen, als sei es eine Tatsache. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Meinung, und zwar um eine, für die es keine guten Argumente gibt.

Übersicht:
In diesem Artikel werden folgende Fragen beantwortet:

Vorausschicken möchte ich, dass ich selber Isländer reite. Im alltäglichen Sprachgebrauch sage ich meistens Isländer, öfter auch Islandpferd, manchmal Islandpony. In diesem Artikel benutze ich beide Wörter gleichberechtigt, um uns allen eine Schreibweise wie »Islandpferd/-pony« zu ersparen.

Woher kommt das Wort »Pony«?

Aus dem Englischen. Die Briten haben das Wort vermutlich in Anlehnung an das französische Wort »poulenet« für »Fohlen, Jungpferd« gebildet, um ein kleines Pferd zu bezeichnen. Der Begriff »pony« taucht im Englischen zum ersten Mal im Jahr 1659 auf. (Quelle: ➸ Merriam Webster)

Was ist ein Pony?

Es gibt keine verbindliche Definition von »Pony«. Ponys sind keine Art oder Gattung im biologischen Sinn. Es handelt sich um Pferde mit einer Vielzahl an Merkmalen, durch die sie sich von Großpferden  unterscheiden lassen. Verschiedene Institutionen, die mit Pferden zu tun haben — die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Zuchtverbände oder Versicherungen zum Beispiel — können den Begriff Pony selbst definieren.

Das wichtigste Merkmal ist die Größe. Wer sein Pony in Deutschland auf einem Turnier, das den Regeln der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) der FN unterliegt, starten lassen will, der/die muss für die Registrierung als Turnierpony eine Messbescheinigung  der Landeskommission vorlegen. Tut man das nicht, gilt das Pony automatisch als Pferd.
Die FN unterscheidet Ponys noch mal nach Größen:

  • K-Pony: bis 127 cm Stockmaß
  • M-Pony: 128 bis 137 cm Stockmaß
  • G-Pony: 138 bis 148 cm Stockmaß (Quelle)

Ein weiteres Merkmal ist das Aussehen, also das Exterieur (Reitersprache) bzw. der Phänotyp (Biologensprache). Ponys haben in der Regel ein stabileres Gebäude als Pferde (Ausnahmen sind moderne Züchtungen wie das Deutsche Reitpony oder Modern American Shetland, die eher wie verkleinerte Reitpferde aussehen). In der Folge können sie auch in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr ziehen und tragen als ein Großpferd. Ihre Beine sind kürzer und kräftiger, Fell und Langhaar sind dichter und rauer, und sie sind leichtfuttriger als Pferde. Kurz, sie sind rundum robuster.

Grasendes Pony
Typisches Pony: kräftiger Körperbau, kurze Beine, geringe Größe, viel Langhaar ― Foto von Lee Travathan via Pixabay

Auch die Abstammung kann, unabhängig von der Größe, ein wichtiges Merkmal sein, z. B. für einen Zuchtverband. Ein Araber oder Morgan, der unter 148 cm Stockmaß hat, gilt dennoch als Pferd.

alt
Typisches Pferd: leicht gebaut, hochbeinig, feines Fell und Langhaar, groß ― Foto von Diana via Pixabay

Wir können also zusammenfassen: Ob ein Pferd als Pony gilt, hängt in erster Linie von seiner Größe ab, aber auch seinem Typ.

Sind Islandpferde Ponys?

Ja. Islandpferde zählen nach beiden Kriterien (Größe, Typ) zu den Ponys. Zwar gibt es vereinzelt Isländer, die über 1,48m Stockmaß haben, aber das ist eine Entwicklung erst aus jüngster Zeit. Vor allem aber sprechen die Exterieur-Merkmale für eine Einordnung als Pony.

Warum dann die Aufregung? Nun kann man sich fragen, woher die Weigerung kommt, sein Reittier als Pony zu bezeichnen. Sicher eine interessante sprachgeschichtliche Untersuchung… Mein Verdacht ist: Im Herkunftsland Island, gibt es nur eine Pferderasse, die deswegen auch nicht namentlich abgegrenzt werden muss zu anderen Rassen (wie man es z. B. in Schottland mit Fell-Pony, Dales-Pony und Shetlandpony machen muss). Islandpferde in Island sind einfach »hestar«, Pferde. Und weil es eben auch keine schwereren oder kleineren Pferde gibt, gibt es auch kein einheimisches Wort für Kaltblut oder Pony.

Isländer (also zweibeinige Isländer), die ein bisschen Deutsch können, bezeichnen die Ponys von ihrer Insel also immer als »Pferd«. Was ja auch nicht falsch ist. Genauso kann man schließlich einen Foxterrier als Hund bezeichnen.

Wie ist es anschließend dazu gekommen, dass die Bezeichnung »Pony« für einen Isländer (einen vierbeinigen) anscheinend als abwertend empfunden wird und man sich so vehement dagegen wehren muss, dass man sogar sein Abonnement kündigt, wie im oben beschriebenen Fall? Darüber kann ich nur rätseln. Sind Ponys weniger wert? Ist man ein schlechterer Reiter, wenn man sich von einem Pony tragen lässt? Ist ein Pony weniger edel? Ist es peinlich, als Erwachsener ein Pony zu reiten?

Wenn es so wäre, wie ist es dann zu erklären, dass ausgerechnet die standesbewussten Engländer ihre teuren, edlen und hervorragend ausgebildeten Poloponys Ponys nennen, egal, wie groß sie sind? Und die Amerikaner sogar manchmal ihre Rennpferde, die doch die teuersten aller Pferde sind? Überhaupt Amerika, Heimat der Cowboys:

The word »pony« had nothing to do with the animal’s size, and in the Northwest practically every horse was called by this term.

Das Wort »Pony« hatte nichts mit der Größe des Tieres zu tun, und im Nordwesten [der USA] wurde praktisch jedes Pferd mit diesem Begriff bezeichnet. (meine Übersetzung; Quelle: Adams)

Interessant ist die Definition eines Ponys im ➸ Merriam Webster in diesem Kontext:

one of any of several breeds of very small stocky animals noted for their gentleness and endurance

»Gentleness and endurance«, also ein guter Charakter und Ausdauer, das sind positive Eigenschaften. Islandponys, Cowponys und Poloponys sind kleine, robuste und lauffreudige Pferde, die in Island, den USA bzw. England vor allem von großen Männern geritten werden. Die einen sind stolz auf ihre Ponys, die anderen sind Ponyreiter, die sich aber lieber Pferdereiter nennen.

Das englische Wort »pony« im Pferdekontext hat noch weitere Bedeutungen:

  • im Galopprennsport: Das Pferd, von dem aus ein Handpferd zum Start geführt wird; wobei dessen Größe keine Rolle spielt. Derjenige, der diese Tätigkeit ausübt, ist der »pony rider«. Analog dazu heißt der Handpferde-Führvorgang »ponying«. (➸ Quelle)
Führpferd mit Rennpferd als Handpferd
Vorne Führpferd (»pony«), hinten das Rennpferd als Handpferd ― Foto von Jennifer C. (CC BY-SA 2)
  • im Galopprennsport: eine Wette mit einem Einsatz von £ 25 (Quelle: Hammond)

Quellen:

  1. Adams, Ramon F.: Cowboy Lingo. Houghton Mifflin Company 1936, 1964, 2000.
  2. FN (Hrg.): LPO. Leistungs-Prüfungs-Ordnung 2018. FN-Verlag 2018.
  3. Hammond, Gerald: The Language of Horse Racing. Fitzroy Dearborn Publishers 1992.
  4. Merriam Webster: https://www.merriam-webster.com/dictionary/pony
  5. Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Ponying

 

Meine Lieblings-Suchanfragen

Nicht der Brunnen der Weisheit, aber das ist ja auch gar nicht schlimm ― Foto von Alexa via Pixabay

Was Menschen schon so alles hier gesucht haben:

  • anderes Wort für altes Pferd
  • Wie schwer ist ein fohlenjunges
  • rülpsende wellis
  • eine bestimmte pferdefarbe nennt man falbe
  • reimende wörter auf englisch die was mit sport zu tun haben
  • anderes Wort für Lenkriemen von Pferden
  • ritter auf der weisse shimmel in englisch
  • Suche einen namen für meine Pferde Herde
  • kan man sich in island einfach ein pferd nemen
  • warum heißt das pferd im englischen horse
  • welche pferde dürfen rennen rennen
  • schöne isländische wörter
  • einkellerungskartoffeln auf leo wörterbuch
  • was heist pferd auf englisch
  • wie heißt Pferd auf isländisch
  • reitstall intern rechtschreibung
  • www.islandpferdenamen-und-ihre Bedeutung.de
  • farben der pferde im internet auf englisch
  • braunes pferd deutung
  • wie sollte man eine mustang pferd nennen?
  • gibt+es+diese+pferdenamen+schon
  • wie heis das name von ferde auf english (I kid you not!)
  • Wie heisst Island auf Isländisch?
  • was heißt brown mare auf englisch – und im selben Ton:
  • was heißt Brunka auf isländisch
  • warum heißt fohlen auf englisch colt
  • Wenn einer als fuchs bezeichnet wird was heißt das
  • was beinhaltet die nationale beim pferd
  • wie heisst die begriffe für pferde mänlich weiblich
  • bestellung@leberfuchs.de
  • was heißt wra in der reitersprache
  • was mache ich gegen ausschlagende pferde
  • wie heißt das fell vom pferd auf englisch
  • festliegen esel
  • pferd+stellt+sich+auf+hinterbeine+fachbegriff
  • galopp daten allgemeine daten wikipedia
  • schnelles schwarzes pferd übersetzen
  • Weshalb heißt das Wort Schimmel so, wie es heißt?
  • pferdenamen mit schokolade
  • wie heißt das fachwort für ponys
  • wie heißt der rasen im pferdesport
  • warum heißt der schimmel schimmel
  • kann das wort pferd auch auto bedeutetn
  • welche zwei bedeutungen hat das wort pferd
  • welche strecke kann ein pferd galoppieren
  • wörter damit man ein pferd bezeichnen kann

Ich freue mich über viele weitere Anfragen! Und entgegen dem Eindruck, der hier entstehen mag: Es gibt keine dummen Fragen ― nur dumme Antworten.

»hengstig« und »rossig«

Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Imponiergehabe eines Hengstes — Foto von Brian Dorff via Pixabay
Der aufgewölbte Hals soll imponieren, das Aufstampfen mit dem Vorderfuß ist eine Drohgebärde — Foto von Brian Dorff via Pixabay

Zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben die Begriffe »hengstig« und »rossig«, sie sind keinesfalls austauschbar. Nur männliche Pferde können hengstig sein und nur Stuten rossig.

»Hengstig« zu sein bedeutet, dass ein männliches Pferd, also ein Hengst oder ein Wallach, Hengstmanieren zeigt.
Hengstmanieren zeigt das Pferd vor allem, wenn es andere Pferde erblickt oder ihnen begegnet:
— übermäßige Aufregung und Unruhe beim Anblick anderer Pferde
— Imponiergehabe in Gegenwart anderer Pferde, z. B. »einen Kragen machen« (den Hals aufwölben), den Schweif aufstellen beim Laufen
— Drohgebärden gegenüber anderen Hengsten oder Wallachen, z. B. mit dem Vorderhuf aufstampfen, quieken
— »ausschachten«, also den Penis ausfahren
— lautstarkes Kontakt-aufnehmen-wollen mit anderen Pferden, vor allem Stuten; wiehern, prusten, blubbern

Auch Wallache können sehr hengstig sein, vor allem, wenn sie spät gelegt (=kastriert) worden sind oder unerkannt Klopphengst sind.

Eine »rossige« Stute ist paarungsbereit. Manche Stuten rossen, ohne dass man es ihnen ansieht, andere zeigen es überdeutlich, dass sie rossig sind.

Den Begriff Stutenmanieren analog zu den Hengstmanieren gibt es nicht. Dafür rossen Stuten, aber Hengste hengsten nicht. Die Zeit, in der die Stute paarungsbereit ist, nennt man Rosse.

Anzeichen dafür, dass die Stute rossig ist, sind:
— sie »blitzt«: hebt ihren Schweif und zuckt kurz mit den Schamlippen
— sie uriniert häufig
— sie reagiert empfindlicher auf Berührung, ist kitzlig oder genießt das Gekraultwerden mehr als sonst

Bei anderen Nutztierarten sind die Begriffe genau andersherum als bei den Pferden (wo der Hengst hengstig ist und nicht die Stute):

  • Schaf und Ziege sind bockig
  • die Kuh ist bullig oder stierig

Lustig finde ich das weitere Fachvokabular zur Paarungsbereitschaft bzw. Brunft der Tiere. Es beschreibt oft sehr genau das Verhalten, das das Tier zeigt.

  • Hündin: läufig
  • Katze: rollig
  • Schwein: rauschig

Schienbeine haben

Rennpferd im Training ― Foto von Yenni Vance via Pixabay
Ein Rennpferd cantert bei der Morgenarbeit unter einem Arbeitsreiter ― Foto von Yenni Vance via Pixabay

In meiner Zeit bei der Sport-Welt gehörte es zu den spannendsten Aufgaben, im Frühjahr in die Rennställe zu fahren und mit den Trainern jedes einzelne Pferd anzuschauen und es zu besprechen. Wieder in der Redaktion, musste man die vielen Notizen zusammenfassen und eine sogenannte Stall-Parade schreiben, in der einerseits für den interessierten Wetter genug tatsächliche Informationen enthalten waren, andererseits aber für den engagierten Rennpferdebesitzer auch genug Streicheleinheiten. Wer liest schon gern in der Zeitung, dass er Monat für Monat Trainingsgebühren für einen Vollblüter zahlt, der voraussichtlich nie einen Blumentopf gewinnen wird.

Stallparade bei Uwe Ostmann, erschienen in der Sport-Welt 1987
Stallparade bei Trainer Uwe Ostmann, erschienen in der Sport-Welt 1987 – die hab ich nicht geschrieben, nur gelesen. Alte Zeit war später richtig gut.

Es gab zwei Typen von Trainern. Die einen nahmen meine Kollegen und mich sofort ins Vertrauen und sagten uns schonungslos ihre Meinung über ihre Schützlinge. Ob das Pferd einen bestimmten Boden brauchte, einen bestimmten Rennverlauf, was sie schon mit den Distanzen probiert hatten, mit welchem Pferd unser Kandidat in der Morgenarbeit Kopf-Kopf geht (woran man ablesen kann, wie gut die Pferde in Relation zueinander sind), welche Rennen für das Pferd in dieser Saison geplant sind. Das waren in der Regel die Trainer mit den vollen Ställen. Die vertrauten darauf, dass wir sie nicht mit »Das ist ein Pferd, so sympathisch wie Zahnschmerzen« oder »ziemlich das langsamste, was wir haben« in der Zeitung zitierten (obwohl die Sätze so gefallen waren). Das waren aber auch Trainer, die sich leisten konnten, einem Besitzer zu sagen, dass sein Rennpferd kein Hochleistungssportler ist, weil sie wussten: Wenn er das Pferd abzieht, wird die Box wieder voll.

Meine Notizen zu einer Stall-Parade 1998
Meine Notizen zu einer Stall-Parade der Sport-Welt 1998. Leider weiß ich nicht, ob ich die gedruckte Fassung auch noch irgendwo habe…

Die andere Sorte Trainer wollte nichts riskieren. Lieber den Zeitungsleuten keinen Anlass geben, ihre Arbeit in irgendeiner Form anzuzweifeln. Verständlich, wenn man selbständig ist und das Einkommen aus der Formel »Anzahl der belegten Boxen + Prozente der eingaloppierten Geldpreise« besteht. Das waren die schwierigen Stall-Paraden. Der Trainer wand sich und sagte zum zehnten Mal, dass das Pferd »noch in der Entwicklung gestanden« habe, nochmal »einen Schub« mache und dass jetzt wirklich bald »der Knoten platzen« müsste. Man hätte es leider noch nicht herausbringen können, denn es hätte Schienbeine gehabt.

Nun mag man von sich selber auf Pferde schließen und denken, dass Schienbeine zu haben an sich nichts Erfolg verhinderndes, ja eher etwas dem Laufen zuträgliches ist. Aber es ist nicht so, dass »Schienbeine haben« bei Rennpferden generell nur eine Ausrede ist! Nein, »Schienbeine haben« ist tatsächlich ein häufiges Problem, das bei jungen Pferden auftauchen kann, wenn sie antrainiert werden. Bitte bedenken Sie, dass ich keine Tierärztin bin und meine Beschreibung daher nicht wissenschaftlich ausfallen kann:

Hat ein Pferd »Schienbeine«, so kann man vorn am Röhrbein erhöhte Temperatur, Empfindlichkeit und in späteren Stadien eine Schwellung fühlen (unter anderem deswegen bekommt jedes Rennpferd mehrfach täglich die Beine abgetastet). Grund dafür ist eine Überlastung, auf die der Körper mit Knochenzubildung im belasteten Bereich reagiert. In der Folge wird die Knochenhaut gereizt, sie schwillt an und entzündet sich. Gibt man dem Pferd rechtzeitig Ruhe (wenn das Pferd beim Abtasten empfindlich reagiert, aber noch keine Schwellung vorhanden ist), muss oft nur kurz mit dem Training ausgesetzt werden. Andererseits können »Schienbeine« auch dazu führen, dass der junge Vollblüter für sechs Wochen oder auch drei Monate lang aus dem Training genommen werden muss.

»Schienbeine haben« heißt auf englisch »to have sore shins« oder »to have bucked shins«. Und auf englisch kann man sich die Schienbeine auch aktiv zuziehen: horses buck their shins.

»sore« trifft man im Pferdebereich noch an anderen Orten, z. B. gibt es den Begriff »to be saddle sore«, der bedeutet »wundsein« im Sinne von »Wundgerittensein« (auch als Adjektiv saddle-sore« = wundgeritten) (beides auf den Reiter bezogen) bzw. auf das Pferd bezogen »Satteldruck«. Ein »saddle-sore horse« ist ein Pferd, das Satteldruck hat.


Eine kurze, persönliche Anmerkung: Ich bin allen Trainern dankbar, die mir damals auf Augenhöhe begegnet sind. Ich war in 111 Jahren Verlagsgeschichte, soweit sich der bereits in Ruhestand befindliche Rudi Schillings zurückerinnern konnte, die erste Frau in der Redaktion der Sport-Welt, und für manche im Rennsport war das anscheinend gewöhnungsbedürftig.

Kleine Schimmelkunde (5)

Schimmelfohlen
Schimmelfohlen: Wird eines Tages schneeweiß sein – Foto von Valentina Ix via Pixabay

Was ist eigentlich ein Dauerschimmel?

Ein meiner Meinung nach unglücklich gewählter Begriff, der Farbwechsler (englisch: roan, alter Begriff: Mohrenkopfschimmel) bezeichnen soll. Unglücklich gewählt, denn:

  • Farbwechsler sind keine Schimmel
  • Farbwechsler haben nicht zu jeder Jahreszeit die gleiche Farbe, ihre Farbe ist also nicht dauerhaft
  • Farbwechsler sind nicht weiß, zumindest nicht am ganzen Körper. Ihr Kopf und ihre Beine zeigen immer die Grundfarbe an.

Und dazu kommt, dass »echte« Schimmel zwar im Laufe ihres Lebens immer heller werden, aber dauerhaft Schimmel sind.

Mehr über Farbwechsler.

Wildpferd
Mustangstute mit Farbwechsler-Fohlen: Wird zeit seines Lebens einen dunklen Kopf und dunkle Beine haben – Foto von Jessica Rockeman via Pixabay

Spaß mit Google Translate

Comtois - Foto von JuLessMrsS
Comtois – Foto von JuLessMrsS via Pixabay

Was du schon immer über die Farbe der Comtois-Pferde wissen wolltest, aber nie erfahren konntest, weil du kein Französisch sprichst:

Das Comtois-Pferd hat ursprünglich ein bauchiges Kleid mit schwarzen Haaren, das bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges fast die einzige Kleidungsfarbe der Rasse bildet. Das Kleid ist jetzt anders, gekennzeichnet durch eine klare gelb-silberne Mähne und Schweif, sowie klare Barten, die bis auf die Sehnenebene zurückgehen. Das Kleid dieser Pferde, (fälschlicherweise) „kastaniengewaschenes Haar“ (die Mehrheit der Comtois-Pferde ist ursprünglich Bais), ist auf die Einführung des Gens Silver durch einen einzigen Hengst namens Questeur zurückzuführen, der In den 1950er Jahren wurde er zum Zuchthengst. Da das Silber-Gen dominant ist, trägt nun eine große Mehrheit der Comtois-Pferde dieses Kleid, auch wenn die Bucht noch von der Standard-Rasse zugelassen ist. Das Kleid namens verbrannte Kastanie ist verboten.
Dieses Kleid ist in der Comtois so üblich geworden, dass andere Silberbeerepferde als „comtois chestnut“ beschrieben werden. Die Züchter mögen versucht haben, Weiterlesen

Wie nennt man ein schwarzes Pferd mit weißer Mähne?

Foto von Ute Becker via Pixabay
Rappwindfarbener Isländer — Foto von Ute Becker via Pixabay

Wie die Farbe bezeichnet wird, das kommt auf die Rasse an. Grundsätzlich gibt es nur wenige Pferderassen, bei denen diese Farbe überhaupt auftritt — wobei es auch kein »reines« Schwarz und kein »reines« Weiß ist. Meist ist es eher ein sehr dunkles silbergraues Fell und ein sehr helles Silbergrau in der Mähne.

Im Folgenden die Farbbezeichnung von verschiedenen Zuchtverbänden. Für Ergänzungen bin ich dankbar — einfach das Kommentarfeld am Ende des Beitrags nutzen oder eine E-Mail schreiben.

Noch etwas zum Unterschied zwischen silver und silver dapple: Viele dieser Pferde zeigen eine Äpfelung im dunklen Fell, dann ist die Bezeichnung silver dapple angebracht (»silbern geäpfelt«). Manche sind aber auch »ungemustert« (mir fällt kein Begriff für solid colour ein), und dann sind sie eben einfach nur silver.

Das Silber-Gen bewirkt auf einem Rappen die oben genannte Farbe. Auf einem Dunkelbraunen oder einem Braunen wirkt sie sich anders aus und heißt dann in manchen Rassen auch anders.